Ich habe ein Problem.
Und zwar nicht, dass KI mich und andere Texter überflüssig gemacht hat. Sondern dass ich einen Folgeartikel zu meiner Frage vor ziemlich genau 1,5 Jahren schreiben wollte, ob ChatGPT der Untergang der Textkultur ist. Mein Problem: ich stimme noch immer jedem Punkt des Artikels voll zu.
So schön es ist, mir dafür auf die Schulter zu klopfen, ergibt „ich habe es ja schon immer gesagt!“ alleine noch keinen neuen Blogartikel. Deshalb will ich heute etwas tiefer einsteigen und schauen, was sich in den letzten 1,5 Jahren getan hat.
Kleiner Spoiler vorweg: Erfahrene, gute Texter sind nach wie vor nicht überflüssig. Unsere Arbeitsweise hat sich durch ChatGPT und co durchaus verändert, aber das hat sie auch mit dem Aufkommen des Computers.
Achtung: Ab August 2026 besteht in der EU eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Das ist für sich genommen nicht dramatisch, ganz im Gegenteil. Aber wenn Du KI einsetzt, musst Du Dich rechtzeitig damit auseinandersetzen, um rechtliche Probleme zu vermeiden.
Wer ist besser: KI oder Copywriter?
Ganz eindeutig: Es kommt darauf an.
Nicht ganz die Antwort, mit der Du gerechnet hast? Lass mich erklären, was ich damit meine. Denn auch, wenn ich selbst mein Geld auch damit verdiene, Texte zu schreiben, werde ich nicht per se Textgenerierung durch KI verteufeln. Ich möchte nur, dass Du weißt, was Du erwarten kannst, und weshalb echte Texter gerade im Vergleich zu ChatGPT teuer erscheinen.
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Vorsicht: Du haftest für Fehler in KI-generierten Texten, die Du veröffentlichst.
KI-Tools haben eindeutig Stärken, die – richtig eingesetzt – ein großer Zugewinn sind. Aber KI sind Werkzeuge, und als solche sind sie nur so gut wie derjenige, der sie benutzt. Um ein brauchbares Ergebnis zu erhalten, musst Du einen guten Prompt schreiben, der KI also genau sagen, was für ein Ergebnis Du erwartest. Und um einen guten Prompt verfassen zu können, musst Du wiederum genau wissen, was Du willst.
Mit KI kannst Du ein klar definiertes Ergebnis schneller erreichen. Um aber das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, bist Du selbst verantwortlich zu wissen, was alles möglich ist und was genau Du brauchst. Wenn Dir die Erfahrung fehlt, wie genau Du Deine Zielgruppe dazu bringst, sich für Dein Angebot zu entscheiden, wirst Du auch mit der besten KI nicht den richtigen Ton treffen, um Kunden zu gewinnen.
Wie sieht es mit dem Gesetz aus?
Datenschutz und Urheberrecht sind zwei große und wichtige Stichpunkte, wenn es um die Nutzung von KI geht. Wenn Du auf einen Copywriter verzichtest und stattdessen KI nutzt, musst Du Dich also mit der rechtlichen Seite beschäftigen.
So ist KI nicht selbst der Urheber von einem generierten Inhalt. Das bedeutet aber nicht, dass bei der Generierung nicht die Urheberrechte anderer verletz wurden. Schwierig für Laien ist es zu sagen, wo etwas noch Inspiration und wo es eine Urheberverletzung ist, denn dieser Übergang ist fließend. Als Nutzer bist Du verpflichtet sicherzustellen, keine KI-generierten Inhalte zu veröffentlichen, welche die Rechte Dritter verletzten.
Achtung: Ich habe dieses Thema recherchiert, kann aber keine Rechtsberatung geben. Nimm diesen Artikel also nicht als alleinige Basis für Entscheidungen, sondern wende Dich an einen Juristen mit Erfahrung in diesem Bereich.
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KI produziert Mittelmaß – mehr nicht
ChatGPT und co generieren innerhalb weniger Augenblicke erstaunlich solide Texte. Das zu verneinen wäre in meinen Augen unsinnig, denn die Ergebnisse sind tatsächlich gut. Aber: Trotz allem sind diese Texte nur generisches Mittelmaß. Sie sind meist weder besonders schlecht, aber auch nicht besonders gut.
Aber KI-generierte Texte sind einfach immer besser als Deine eigenen? Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: dann sind Deine Texte nicht gut.
Das bedeutet nicht, dass Deine Ideen schlecht sind oder Du keine Ahnung von Deinem Thema hast. Im Gegenteil, Du bringst ein individuelles Maß an Erfahrungen und Wissen mit, die niemand sonst hat. Wenn ein mit Algorithmen berechneter Text qualitativ besser ist als alles, was Du selbst schreiben kannst, liegt das das daran, dass Texte schreiben nicht zu Deinen Kernkompetenzen gehört.
Oder anders gesagt: Jede KI kann Fotos besser bearbeiten als ich. Ich kann gerade einmal bei GIMP einen weißen Hintergrund transparent machen kann. Das heißt aber nicht, dass KI so gute Arbeit leistet, dass wir keine Grafiker mehr brauchen, sondern nur, dass ich einfach nicht gut in Sachen Grafikbearbeitung wie eine KI bin. Meine Ideen sind vielleicht ziemlich gut – finde ich zumindest – aber mir fehlt die Fähigkeit, sie umzusetzen. Wenn wir aber den Stand meiner Möglichkeiten in Photoshop als generellen Maßstab nehmen zu beurteilen, was tatsächlich gut ist, wäre das eine Rückentwicklung.
Natürlich darfst Du KI-generierte Texte nutzen. Abermache Dir bewusst, dass diese Texte 1:1 zu übernehmen dazu führt, dass Dein Web-Auftritt generisch und mittelmäßig aussieht. Nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Und definitiv nicht individuell.
Fehler an Fehler an Fehler…
Eine der Schwächen von KI: Es wird eine Antwort generiert, da Nutzer eine Antwort wollen. Und oft genug wird eher eine falsche Antwort ausgespuckt statt ehrlich zu sagen, dass etwas nicht bekannt ist. Stellenweise erfinden KI dabei sogar wissenschaftlich klingende Quellen, die gar nicht existieren, damit die Antwort glaubhaft wirkt. Das schlägt sich übrigens auch in der KI-Zusammenfassung von Google nieder, die inzwischen über den Suchergebnissen erscheint.
Zwei Beispiele, die ich selbst in den letzten Monaten selbst erlebt habe:
- Die Aussage von ChatGPT, dass nur zwei Kontinente ans Mittelmeer grenzen. Tatsächlich sind es aber drei, nämlich Europa, Afrika und Asien.
- Die Google KI, die mir sagte, dass das 8. Reiterregiment von Sir John Ligonier 1746 in der Schlacht von Culloden mitgekämpft hatte. Als ich keinerlei weiteren Hinweise darauf fand, hakte ich nach und erhielt die Aussage, dass dieses Reiterregiment gar nicht mitkämpfte, da es in der Zeit nicht einmal in Schottland war. Als Erklärung gab die Google KI an, dass das 8. Reiterregiment, „The Black Horse“, häufig mit dem 8. Infanterieregiment, „Wolfes Infanterie“, verwechselt werden würde, das tatsächlich an der Schlacht teilnahm. Und ja, ich bin ein kleiner Geschichtsnerd. 😉
Das heißt im Umkehrschluss, dass Du bei KI-generierten Texten jede einzelne Information nachprüfen musst. Was geschieht, wenn dies nicht passiert, sehen wir leider immer häufiger. Auch hier zwei Beispiele:
- 2023 wurden auf Amazon einige englischsprachige KI-Ratgeber gesperrt, die mithilfe von KI generiert worden waren und teilweise lebensgefährliche Tipps enthielten. Und dazu gehörte nicht nur, Pilze auch anhand von Geruch und Geschmack zu identifizieren – keine gute Idee bei giftigen Exemplaren. Übrigens sind auch KI-gestützte Apps, um essbare Wildpflanzen zu erkennen, immer ein enormes Risiko. Lass also lieber die Finger davon.
- Du hast auch in der Pandemie angefangen, Zimmerpflanzen zu sammeln? Dann kennst Du wahrscheinlich die einschlägigen Websites, um zu recherchieren, ob diese Alocasia jetzt lieber indirektes helles Licht oder helles indirektes Licht möchte. Und da bemerke ich oft genug, dass einige Websites nur aus schlechten, mit KI generierten Texten bestehen. Da fängt ein Text vielversprechend an, vom Philodendron gloriosum zu erzählen, und nach einigen Sätzen ohne sinnvollen Aufbau ist auf einmal vom Philodendron Pink Princess die Rede.
KI kann ohne Frage ein nützliches Tool sein, um Texte zu erstellen. Aber Du sparst damit nicht zwingend Zeit, sondern änderst nur Deine Aufgaben rund um den Text.
Niemals, absolut niemals, frage eine KI was Du bei wichtigen oder gar potenziell lebensbedrohlichen Situationen tun sollst. Vertraue keiner KI, wenn eine fehlerhafte Antwort potenziell fatale Folgen haben kann.
Anthropomorphismus bei KI und dramatische Folgen
Anthropomorphismus bedeutet die Vermenschlichung von allem, was nicht menschlich ist. Das fängt bei Haustieren an („Meine Katze ist eine totale Diva.“), weitet sich über Götter und Naturphänomene („Das Wetter hat sich gegen uns verschworen.“) aus und macht auch unbelebten Gegenständen nicht halt („Mein Drucker hat es mal wieder auf mich abgesehen.“).
Problematisch wird dies, wenn KI so menschlich wirkt, dass wir beginnen sie als eigene Persönlichkeit wahrzunehmen. KI „sprechen“ von sich als wären sie eigene Personen, nehmen Bezug zu frühren Gespräche und können durchaus sehr empathisch wirken. Dazu kommt, dass KI schnell Antworten generiert und dazu neigt, dem Nutzer zuzustimmen. Das alles triggert jedes Mal ein Belohnungsgefühl im Gehirn.
Daraus entsteht seit einiger Zeit eine Reihe von Problemen, für die hier der Raum fehlt. Aber kurz aufgeführt sind das zum Beispiel Menschen, die KI anstelle eines Therapeuten nutzen oder eine engere „Beziehung“ zu KI führen als zu den Menschen in ihrem Umfeld.
Für Dich als jemand, der Texte und ggf. Grafiken und Musik braucht, bedeutet dies eines: Dass Du Dir immer bewusst machen musst, dass KI ein Werkzeug ist. Ein Werkzeug, dass sehr menschlich wirken kann, aber das trotz allem nur eine Aneinanderreihung von Algorithmen ist.
KI hat es nicht darauf abgesehen, Dir das Leben schwer zu machen oder mag Dich besonders, denn KI hat keinen eigenen Willen. Wenn Du trotz Einsatz von KI eine Herausforderung einfach nicht lösen kannst, liegt das daran, dass es das falsche Werkzeug ist oder Du dieses Werkzeug nicht optimal einsetzt.
Fazit: Nutze Ki, aber richtig
KI ist längst ein Bestandteil unseres Alltags geworden. Das kann man gut oder schlecht finden, aber es lässt sich nicht leugnen. Wichtig ist deshalb, sich damit auseinanderzusetzen, was genau KI eigentlich ist: Keine Suchmaschine, sondern ein komplexer Algorhithmus, der die Antwort berechnet, die Du am wahrscheinlichsten erhalten willst.
Damit dies auch die Antwort ist, die Du tatsächlich brauchst, musst Du lernen die richtigen Fragen zu stellen. Lerne richtig zu prompten, bleibe kritisch und bereite Dich darauf vor, die Ergebnisse nachprüfen und überarbeiten zu müssen. KI ist ein sehr mächtiges Werkzeug, wenn Du weißt, wie Du es nutzt – aber sie ist kein Wundermittel.
Oder anders gesagt: Günstig, präzise, schnell – Du kannst immer nur zwei auswählen, egal ob Du mit einem Copywriter oder einer KI arbeitest.

