Pünktlich zu Ostern finden sich jedes Jahr wieder mehr oder weniger seriöse Wissenschaftssendungen, die sich mit dem Mythos Ei beschäftigen: Vor dem Kochen anpieksen oder nicht, braun oder weiß, hart oder weich gekocht, wie viele Eier darf man essen und wer war eigentlich zuerst da – Huhn oder Ei?

Verschwiegen oder verharmlost wird dabei die unschöne Seite des Eierkonsums. Selbst trotz Biotrend und wachsendem Ökobewusstsein der Menschen müssen 95% aller deutschen Legehennen ihr Leben in Legebatterien fristen. Anders kann der hohe Eierverbrauch von 211 Eiern pro Kopf und Jahr nicht gedeckt werden. Ein großer Teil dieser Eier wird dem Verbraucher versteckt in Lebensmitteln verarbeitet untergeschoben.

Ausgestaltete Käfige

Zwar ist es seit 2010 in Deutschland und seit 2012 in allen EU Ländern Vorschrift, Legehennen in „ausgestalteten Käfigen“ in so genannten „Kleingruppen“ zu halten, um ihren natürlichen Bedürfnissen entgegen zu kommen. Doch davon ab, dass sich mehrere Länder schlichtweg nicht daran halten, zeigt ein zweiter Blick auf diese neue Regelung, dass sie höchstens als schlechter Scherz verstanden werden kann.

Während in den alten Käfigbatterien jedem Huhn eine Fläche von 550cm2 (23,5cmx23,5cm) nacktem Drahtboden zustand, wurde diese Fläche in den neuen Käfigen auf 750cm2 erhöht. Das klingt nach viel, entspricht aber nur einer Fläche von 27cmx27cm und stellt somit keine Verbesserung dar. Auch die Scharrmöglichkeit, die Sitzstangen und die Nester in den ausgestalteten Käfigen helfen den Tieren nicht im Geringsten: Die Scharrmöglichkeit ist eine schnell vollgekotete Plastikrasenmatte, die Sitzstange eine ebenso schnell vollgekotete Plastikstange und das Nest eine Plastikmatte oder –schale. Davon ab stehen die Hühner noch immer auf bloßem Gitterboden.

Bodenhaltung

Nicht wesentlich besser als die Käfighaltung ist die Bodenhaltung. Zwar können die Hühner sich hier auf einer größeren Grundfläche bewegen, effektiv bleibt ihnen aber kaum mehr Platz als in den Käfigen, da die Ställe vollgestopft sind. Damit die Tiere sich aufgrund von Stress nicht gegenseitig verletzen, werden ihnen die schmerzempfindlichen Schnabelspitzen kupiert – ohne Betäubung.

 

Ebenso oft vergessen wird, dass statistisch gesehen jedes zweite Küken männlich ist. Da Hähne aber für die Eierproduktion nicht geeignet sind und eine Mast zu teuer wäre, werden diese Eintagsküken gleich nach dem Schlüpfen aussortiert, vergast und weggeworfen.

 

Denen, die einen stabilen Magen haben, empfehle ich das 20minütige Video „Leben und Sterben für die Eierindustrie“. Wer einmal die verwesenden Hühnerleichen in den verdreckten Käfigen und Ställen gesehen hat, wird sein Frühstücksei mit anderen Augen sehen:

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Was kann man tun?

Da etwa jedes zweite Lebensmittel Ei enthält, ist es quasi unmöglich nicht doch indirekt Eier aus Käfighaltung zu konsumieren. Dennoch kann jeder Verbraucher etwas tun, indem bewusster eingekauft wird und dort, wo es möglich ist, Eier aus artgerechter Haltung gewählt werden. Statt zur Osterzeit die fertig gefärbten Eier im Supermarkt zu kaufen, kann jeder leicht und für wenig Geld selber Eier färben.

Lebensmittel, die Ei enthalten, können nicht gänzlich vermieden werden. Aber zumindest kann jeder versuchen, den Konsum von Fertigprodukten zu drosseln und mehr Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Auf diese Weise kann man sicher sein, dass Eier aus Freilandhaltung verwendet werden.  Ein Blick auf die Inhaltsangaben auf den Verpackungen hilft zudem, nicht nur das Gespür dafür zu stärken, welche Lebensmittel Ei enthalten, sondern auch den anderen Inhaltsstoffen auf die Spur zu kommen, die nicht jeder auf seinem Teller haben möchte.

 

 

 

Autorin: Frauke Bitomsky, M.Sc.

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