Immer wieder für Missverständnisse sorgt, dass die Einteilung der Pkw in die verschiedenen Schadstoffklassen sich nicht nach dem Kraftstoffverbrauch richtet. Vielen ist nicht bewusst, dass selbst ein Diesel mit einer grünen Plakette deutlich mehr Feinstäube und Stickstoffdioxid ausstößt, als ein Benziner der gleichen Schadstoffgruppe10. Der Grund dafür ist die unterschiedliche Verbrennung der beiden Kraftstoffe. Da dies weitläufig nicht bekannt ist, entsteht gerade bei betroffenen Autofahrern schnell das Gefühl, dass Plaketten willkürlich und ungerecht vergeben werden.

Erst ab der Euronorm 6, die ab 2015 auf den Markt kommen wird, ist der Schadstoffausstoß von Dieseln beinahe so niedrig wie der von Benzinern.

Umweltzonen in Deutschland

Bisher bestehen in Deutschland nur vier Umweltzonen der Stufe 3: Berlin, Bremen, Hannover und Leipzig. Ab 2012 sollen weitere Umweltzone zur Stufe 3 verschärft werden. Da die Umweltzonen in Bremen und Leipzig erst im Jahr 2011 auf Stufe 3 angehoben wurden, liegen noch keine Daten über die Auswirkung auf die Luftqualität vor. Allerdings zeigen detaillierte Studien aus Berlin, welchen Erfolg die dortige Umweltzone mit sich brachte3.

In Hannover liegen ebenfalls Messdaten vor, aber hier wurde kein Nutzen der Umweltzone nachgewiesen. Jedoch können die gewonnen Daten nicht als aussagekräftig betrachtet werden: die einzigen beiden Messstationen liegen unmittelbar nebeneinander und am Rand der Umweltzone, so dass Verbesserungen der Luft in der Umweltzone nicht gemessen werden können11.

In Berlin wurde nachgewiesen, dass die Einführung der Umweltzone 3 einen positiven Effekt auf die Verjüngung und Modernisierung der Fahrzeugflotte hatte. Auch lief der Verkehr weiter in seinen gewohnten Bahnen, es wurden keine Ausweichverkehre wahrgenommen. Es wurden dank der Umweltzone 58% weniger Feinstäube und 20% weniger Stickstoffdioxide ausgestoßen, als es ohne Umweltzone Stufe 3 der Fall gewesen wäre3.

 

Bei einer Betrachtung sämtlicher Umweltzonen in Deutschland fällt auf, dass Bremen die von der Stadtfläche her prozentual kleinste Umweltzone in ganz Deutschland hat. Nur 7 km2, 2% der Stadtfläche von Bremen, sind nur noch für Fahrzeuge mit grünen Plaketten zugelassen. Es liegt auf der Hand, dass eine so kleine Umweltzone kaum eine Verbesserung der Luft bewirken kann. Zum Vergleich: Die Umweltzone in Berlin nimmt 10% der Stadtfläche ein, auf der zudem rund 25% der Bürger der Stadt wohnen3.

 

Kritik und Antworten

Häufig geäußerte Kritik an den Umweltzonen ist, dass sie nachweisbar unwirksam seien. Die Ergebnisse aus z.B. Berlin oder München machen deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist. Zudem zeigen mehrere Studien auf, dass selbst geringe Verbesserungen der Luft eine große positive Auswirkung auf die Gesundheit der Bürger haben.

Ebenfalls kritisiert wird, dass durch Umweltzonen die Mobilität der Bürger eingeschränkt wird. An diesem Punkt werden öffentliche oder alternative Verkehrsmittel außer Acht gelassen, die selbstverständlich weiter gefördert werden müssen. Es ist unverantwortlich den Bürgern gegenüber, weiterhin Dreckschleudern zu unterstützen und die Gesundheit zu gefährden, statt umzulenken auf gesundheits- und umweltfreundlichere Alternativen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Schadstoffe sich nicht an Städtegrenzen halten und Umweltzonen somit keinen Sinn machen würden. Tatsächlich wurden selbst in Berlin noch feinste Stäube von Saharasand gefunden, die durch den Wind hergetragen wurden. Es ist jedoch auch erwiesen, dass die Belastung durch Schadstoffe insbesondere dort besonders stark ist, wo die Schadstoffe ausgestoßen werden. Die Ergebnisse aus z.B. Berlin zeigen zudem auf, dass die Umweltzone eine messbare Verbesserung der Luft mit sich bringt.

Auch wird oft angeführt, dass viele kleine Unternehmen sich eine Umrüstung ihrer Fahrzeugflotte nicht leisten können. Dem kann entgegen gehalten werden, dass Ausnahmeregelungen von bis zu zwei Jahren Dauer beantragt werden können und die Umrüstung zudem finanziell unterstützt werden kann.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ablehnung von Umweltzonen mit Begründung, die Bürger dürfen nicht in ihrer Mobilität eingeschränkt werden, kurzsichtig, gesundheitsgefährdend und unverantwortlich ist. Das Rauchen in der Öffentlichkeit wurde aufgrund der Gesundheitsgefährdung der Nichtraucher stark eingeschränkt, doch wenn es an des Deutschen liebstes Kind, sein Auto, geht, steht die eigene Dreckschleuder offenbar doch noch vor der eigene Gesundheit und der der Mitmenschen. Liest man Kommentare und Diskussionen im Internet fällt auf, dass die meisten Gegner sich nicht informieren, sondern schlichtweg auf Stammtischniveau gegen „die da oben“ und „die anderen“ meckern wollen.

Jeder von uns kann etwas dafür tun, die Umwelt und die Gesundheit von uns allen zu schonen: Einfach mal das Auto stehen lassen und mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Ein einzelnes Auto alleine macht sicherlich keinen messbaren Unterschied in der Luftverschmutzung aus. Aber ebenso macht auch eine einzelne Stimme in einer Wahl den Kohl nicht fett. Ob das nun einem intelligenten und verantwortungsbewussten Menschen als Begründung reicht, sich auch weiterhin fröhlich vor der Verantwortung seinen Mitmenschen und seiner Umwelt gegenüber zu drücken, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Autorin: Frauke Bitomsky, M.Sc.

Teil 1

 

10http://de.wikipedia.org/wiki/Abgasnorm

11http://micro.homelinux.net/~mjander/C55049285_L20.pdf

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1 Comment

  1. Ich fürchte, ich muss eine Aussage in meinem Gastbeitrag korrigieren. Die Einteilung der Diesel und Benziner in verschiedene Schadstoffklassen ist nicht ganz so gerecht, wie ich bisher angenommen habe, sondrn eher ziemlich ungünstig, da die Schadstoffklassen für Diesel und Benziner unterschiedliche Grenzwerte für den erlaubten Schadstoffausstoß aufweisen. So darf ein Dieselfahrzeug der Eurostufe 4 (grüne Plakette) mehr als dreimal so viel Stickstoffdioxid ausstoßen wie ein Benziner derselben Stufe. Hinzu kommt, dass erst ab Eurostufe 5 auch für Benzinfahrzeuge ein Grenzwert für den Feinstaubausstoß festgelegt wurde10. In den vorigen Stufen fehlt dieser Grenzwert. Dies erweist sich besonders deshalb als fatal, da ein Benziner mit Direkteinspritzer und ohne Filter bis zu zehnmal mehr Feinstaub ausstößt, als für Dieselfahrzeuge erlaubt ist. Erst ab Euronorm 6, die ab 2015 auf den Markt kommen wird, gelten für Dieselfahrzeuge und Benziner sowohl bei Feinstaub als auch bei Stickstoffdioxid nahezu die gleichen Grenzwerte.

    Auch die Verbrauchskennzeichnung, die es erleichtern soll, die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeuges einzuschätzen, ist alles andere als optimal, da sie nicht nach tatsächlichen Verbrauch des Fahrzeuges, sondern nach dem Verbrauch im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht bestimmt wird. Mit dieser Regelung werden große Spritschlucker bevorzugt, während sparsame Kleinwagen benachteiligt werden.

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