Seit ihrer Einführung in inzwischen über 40 Städten Deutschlands werden Umweltzonen hitzig und kontrovers diskutiert. Von der Autolobby werden sie als unwirksames und kostenintensives Mittel der Unterdrückung der Autofahrer verkauft. Unterstützt wird dies u.A. durch eine aus wissenschaftlicher Sicht ziemlich löchrige1 Studie des ADAC2. Die Schäden für Mensch und Umwelt durch Feinstaub und Stickstoffdioxid gerade aus Autoabgasen werden dabei ebenso unter den Teppich gekehrt wie die Erfolge der Umweltzonen z.B. in Berlin3 und München5.

Klar ist, dass Umweltzonen kein Allheilmittel gegen Feinstaub und Stickstoffdioxid sind, die uns von jeglicher weiteren Verantwortung befreien. Eine solche Lösung gibt es ebenso wenig wie funktionierende Diätpillen. Umweltzonen können nur als Umweltzonen der Stufe 3 in ausreichender Größe in Kombination mit anderen Methoden die Luftqualität wirksam verbessern. Um die Schadstoffbelastung zu senken, kann jedoch nicht auf sie verzichtet werden.

Autoabgase töten leise

Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid nicht nur die Gesundheit gefährdet, sondern sich konkret auf die Lebenserwartung auswirkt und die Chance, an Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ansteigt. Das Risiko, an einer Lungenentzündung oder gar an Lungenkrebs zu erkranken, wird durch Feinstaub deutlich verstärkt. Ebenso werden Allergien der Atemwege und Asthma durch Feinstaub und Stickstoffdioxide begünstigt. So erhöht sich z.B. die Sterblichkeit von Frauen, die näher als 50m an einer Hauptstraße leben, um 40%6,7.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 70.000 Menschen aufgrund von Feinstaub. 14.000 davon gehen auf das Konto von Dieselfeinstaub. Die WHO fand heraus, dass allein im Jahr 2008 1,3 Millionen Menschen weltweit aufgrund von Feinstaub in der Luft starben – wären die strengen Vorschläge zur Luftreinhaltung von der WHO gültig gewesen, hätten 1,1 Millionen von ihnen gerettet werden können4.

Durch ihre geringe Größe können Feinstäube in die Lunge und von dort in den Blutkreislauf gelangen, wodurch an die Feinstaubpartikel gebundene Schadstoffe direkt in den Körper gebracht werden. Die WHO hat festgestellt, dass es bei Feinstäuben keine Konzentration gibt, unter der keine schädlichen Wirkungen zu erwarten ist. Ein großes Problem bei der Messung der Konzentration von Feinstäuben ist, dass nicht die tatsächliche Konzentration, sondern die Masse gemessen wird – so wiegt ein einziges Partikel mit 8µm Durchmesser genauso viel wie 512 Millionen Partikel mit 0,01µm. Messtechnisch wird dies jedoch gleich bewertet. Dabei stellen gerade die kleinsten Partikel die größte Gesundheitsgefahr dar, da sie weiter in den Körper eindringen können.

Auch Stickstoffdioxid, das zu 75% aus dem städtischen Verkehr stammt, ist nachgewiesen stark lungenschädigend. Zudem ist Stickstoffdioxid mitverantwortlich für die Übersäuerung und Überdüngung des Bodens und von Gewässern. Im Sommer bildet es außerdem zusammen mit Kohlenwasserstoff Ozon.

Gesetzliche Grundlage  der Umweltzonen

Seit 2002 sind die EU Rahmenrichtlinien der Luftqualität Teil des deutschen Rechts. Werden die Grenzwerte überschritten, müssen von den einzelnen Städten Luftreinhaltepläne aufgestellt und umgesetzt werden, um die Gesundheit der Bürger zu gewährleisten. Eine der Möglichkeiten, die Grenzwerte einzuhalten, sind Umweltzonen, in denen Fahrzeuge bestimmter Schadstoffklassen nicht fahren dürfen. Sind andere Maßnahmen ausreichend, um die Grenzwerte einzuhalten, kann auf eine Umweltzone verzichtet werden. Allerdings sind Umweltzonen die einzige Maßnahme, die etwas gegen die Stickstoffdioxidbelastung bewirken kann.

Tatsächlich ist es möglich, eine Stadt zu verklagen, wenn sie nicht ausreichend für den Gesundheitsschutz der Bürger eintritt. In Wiesbaden geschah dies bereits erfolgreich8. Dies wäre also auch in Bremen möglich, sollte die Umweltzone alternativlos abgeschafft werden, so wie CDU und FDP es fordern. Eine solche Abschaffung würde zudem nicht nur verantwortungslos gegenüber der Gesundheit der Bürger sein, sondern von der EU als Vertragsbruch gewertet und mit einer Strafzahlung von 250.000€ pro Tag geahndet werden9 – 91,25 Millionen € pro Jahr, die Bremen nicht über hat.

 

Autorin: Frauke Bitomsky, M.Sc.

Teil 2

 

1http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/verkehr/schadstoffe/20091111_verkehr_schadstoffe_umweltzone_wirksamkeit.pdf
2 http://www.adac.de/_mm/pdf/umweltzonen_wirksamkeit_bericht_0609_43574.pdf (inaktiv)

3http://www.berlin.de/sen/umwelt/luftqualitaet/de/luftreinhalteplan/download/umweltzone_1jahr_stufe2_bericht.pdf

4 http://www.taz.de/!78950/

5 http://www.ecomed-medizin.de/sj/ufp/Pdf/aId/10891

6http://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/EPI/PDF/Aktuelles/Newsletter/Umweltzonen_Gesundheit_Wichmann.pdf

7http://www.welt.de/wissenschaft/article10690212/An-der-Hauptstrasse-wohnen-macht-krank.html

8http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_42836914

9http://www.weser-kurier.de/Artikel/Bremen/Politik/390677/Nur-noch-schadstoffarm-in-die-Bremer-City.html

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