Zweiter Teil der Miniserie Pro7: Die Social Network Week (hier zum Teil 1).

„Netbites“: Flattr

Im Galileo Beitrag wird der Social Payment Service Flattr vorgestellt. Mit Flattr ist es möglich, Bloggern und anderen Anbietern nicht-materieller Dinge durch den einfachen Klick auf den Flattr Button einen Geldbetrag zu spenden und so Anerkennung für deren Leistung auszudrücken. Ein sehr kurzer, aber dafür interessanter Beitrag.

Facebook-Sucht

Galileo stellt in einem 20-minütigen Beitrag einige Menschen vor, die süchtig nach Facebook sind. Mich stört, dass hier Internetsucht und Facebook-Sucht synonym verwendet werden, denn Facebook wird vielleicht von über einer Milliarde User genutzt, ist aber nicht das Internet.
Interessant war allerdings die Aussage einer Schülerin, dass sie trotz früherer Facebook-Sucht ihr Facebook-Profil nicht löschen kann, da sie z.B. über eine Facebookgruppe ihres Englischkurses wichtige Informationen zu Klausuren erhält. Leider wird darauf im Beitrag nicht weiter eingegangen.

Galileo Spezial Facebook

Live vom Marienplatz in München aus werden vier Experimente rund um Facebook vorgestellt, von denen zwei interessant sind und hier vorgestellt werden sollen:

In einem Experiment wird untersucht, wie sich eine Woche Facebook Abstinenz auf das Gehirn eines „Heavy Users“ auswirkt. Absolut überraschend sind die Ergebnisse nicht, aber sie führen die Auswirkungen von Sucht auf das Gehirn sehr deutlich vor Augen.

Das zweite Experiment ist aus Sicht von Social Media und den Möglichkeiten, die die sozialen Netzwerke bieten, interessant. Toni, ein Schüler, der auf Facebook selbstgemalte Bilder präsentiert und damit 70.000 Fans begeistert, versucht seine erste Ausstellung zu organisieren. Mit dem Vermieter des Raumes, den er sich ausgesucht hat, handelt er einen Rabatt von 1.000€ dafür aus, dass er die Facebook Seite des Vermieters an seine eigenen Fans weiterempfiehlt. Die restlichen 4.000€ an Kosten möchte er durch seine Fans bekommen, die er um Hilfe bittet.
Daraus entsteht allerdings ein Shitstorm, in dem er unter anderem als Schnorrer bezeichnet wird. Diese Wogen glättet er, indem er seine Fans zu einem Treffen in der Öffentlichkeit einlädt, um den direkten Kontakt zu ihnen herzustellen.
Sein zweiter Versuch Geld für die Ausstellung zu sammeln, indem er bemalte Tank Tops verkauft, scheitert leider ebenfalls, so dass er seine erste Ausstellung in einer Fußgängerzone organisiert.

Fazit

Es wurde viel versprochen und nicht alles davon gehalten. Einige der Beiträge waren gut, allerdings war ein Gutteil nicht informativ, sondern Effekthascherei. Zu den Mängeln dieser Themenwoche gehört für mich die Beschränkung auf Facebook. Sicher ist Facebook derzeit das größte und bekannteste soziale Netzwerk. Wenn aber eine Themenwoche unter dem Titel Social Network Week angekündigt wird und Tipps aus der Social-Media Welt versprochen werden, darf sich die Berichterstattung nicht allein auf Facebook und Flattr beschränken, was hierzulande kaum bekannt ist.
Eine Vorstellung weiterer bekannter Netzwerke wie z.B. Twitter, LinkedIn und Xing, Pinterest oder Tumblr hätte einen schönen Beitrag ergeben können und den Zuschauern, die keine oder nur wenig Erfahrung mit sozialen Netzwerken haben, einen guten Überblick gewährt. Mir fehlte hier insbesondere die Erwähnung der Rolle von Twitter, die gerade bei Live-Sendungen zunehmend steigt, was zuletzt während der US-Wahl wieder deutlich wurde. Auch Blogs und die Bloggerszene wären ein Thema gewesen, zu dem ein informativer Beitrag hätte gezeigt werden können.

Insgesamt hat Galileo sich um die eher reißerischen Themen Internetsucht, Datenklau bzw. –verkauf und Shitstorms gekümmert. Die Rolle der sozialen Medien in unserer Gesellschaft wurde nur ein paar Mal gestreift. Die Gefahr sozialer Ausgrenzung gerade für junge Leute, die Facebook und andere soziale Netzwerke nicht nutzen, wurde nicht behandelt. Ebenso wurde nicht auf die Notwendigkeit eingegangen, soziale Netzwerke zu nutzen, um Informationen zu erhalten. So ist es heute quasi nicht mehr möglich, zu studieren, ohne einen Internetzugang zu haben, da Informationen und Vorlesungsfolien meist nur noch online weitergegeben werden.

Zusammengefasst wurden einige interessante Themen angesprochen, leider nur aus einem beschränkten Blickwinkel heraus und garniert mit einer Menge unnötiger Experimente und Beiträge, die seichte Unterhaltung sicherstellen sollten. Teilweise war es interessant, größtenteils hat man aber auch nichts verpasst, wenn man es nicht gesehen hat.

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