Während sich die Beiträge im Internet zur Besetzung der Wall Street (und auch in anderen Städten) häufen und auch zunehmend deutsche Nachrichtenwebsites das Thema Occupy Wall Street aufgreifen, hat sich heute auch das ZDF-Mittagsmagazin des Themas angenommen. Merke: heute, 07.10. Die Proteste begannen am 17.09.

 

Occupy Wall Street by Nick Gulotta

Status quo

Das Thema Occupy Wall Street scheint in den deutschen Medien nun also anzukommen, nachdem sich die Lage zusehens zuzuspitzen scheint. Sogar die Tagesthemen und die Seite tagesschau.de hatten hier über die Verhaftung von etwa 700 Demonstranten am vergangenen Wochenende berichtet. In einer ohnehin brenzligen Situation, bereits aufgeheizt durch rücksichtslose Verhaftungen und Pfeffersprayattacken durch die New Yorker Polizei, fand eine Massenverhaftung von Demonstranten (Näheres und Weiteres siehe „Bodenfrost“-Blog) statt, welche die Fahrbahn der Brooklyn Bridge betreten hatten. Viele Stimmen sprechen jedoch von einer gezielt gestellten Falle der Polizei, welche, wie auf mehreren Youtube-Videos zu sehen, die Demonstranten sogar anführte und erst eingriff, als sich bereits Hunderte Demonstranten auf der Brooklyn Bridge befanden. Seltsam mutet an, dass zudem bekannt wurde, dass die amerikanische Großbank JP Morgan Chase kürzlich beachtliche 4,6 Millionen Dollar an das New York City Department gespendet hat.

„Die Gier frisst die Gesellschaft auf“

Nun berichtete auch das ZDF gegen 13.20 Uhr von den Occupy Wall Street – Protesten. Nicht ausufernd lang, aber in erfrischend sachlicher Art und Weise. Es wurde nicht mehr, wie in früheren Onlineberichten „seriöser“ Quellen, ein gewisses Maß an Spott über geringe Teilnehmerzahlen ausgeschüttet, sondern die Gründe, warum die Proteste stattfinden, wurden erläutert, und auch mehrere Demonstranten bekamen die Möglichkeit, sich vor der Kamera zu ihrer Situation zu äußern. Auch auf die Proteste in immer mehr amerikanischen Städten wie Washington, Seattle, Chicago, Tampa oder Los Angeles, wurde eingegangen. Die Bilder, die gezeigt wurden, zeigten, auf welch beeindruckende Größe die Protestmärsche inzwischen angewachsen sind. Der Bericht schloss mit einem Ausschnitt aus einer Rede Barack Obamas, der Verständnis für die Proteste äußerte und klarstellte, dass das Leben, das viele Menschen heutzutage in den USA führen würden (hart arbeiten, loyal zu ihrem Arbeitgeber sein, aber dafür nicht länger belohnt zu werden), nichts mehr mit dem American Way of Life zu tun hätte, und dass viele, wie z.B. Wall Street, sich nicht länger an die Spielregeln halten würden.

Das Volk kommt zu Wort

„Wall Street ist Schuld an der Finanzkrise, aber ich soll dafür bezahlen.“

“ Wo sind die Jobs, die angeblich geschaffen wurden? Sie haben sich das Geld nur in die eigene Tasche gesteckt.“

„Ich habe noch nie so hart gearbeitet, nur um über die Runden zu kommen.“

„Ich bin in der Hoffnung gekommen, dass wir etwas ändern können, dass sich etwas bewegt. So jedenfalls kann es nicht weitergehen.“

Diese Stimmen von Demonstranten strahlte das ZDF aus, ohne sie mit Beschönigung oder Relativierung zu umgeben.

Resümée

Alles in allem ein sachlicher Bericht, neutral, ohne abzuwerten, ohne die Situation kleinzureden. Was jedoch gänzlich fehlte, war auch nur ein Wort über die Verhaftungen und Polizeiattacken. Über die Gründe ließe sich vermutlich spekulieren. Ich werde die deutsche Berichterstattung jedoch weiter im Auge behalten und gerade auf dieses Thema achten.

Hier mein erster Post zum Thema Occupy WallStreet:

Occupy Wall Street: Die große Unbekannte

 

Weitere Quellen:

http://www.weeyoo.de/occupy-wall-street-weitet-sich-aus/

http://www.youtube.com/watch?v=Zgr3DiqWYCI&feature=youtu.be (MSNBC-Reportage)


Stefanie Norden

Stefanie Norden ist Teil des Teams von B2N Social Media Services. Unser Team unterstützt kleine Unternehmen, sich auch als Anfänger und mit wenig Zeit im Social Web bekannt zu machen. Unter "Leistungen" erfährst Du, wie wir auch Dir helfen können, online neue Interessenten zu gewinnen.

2 Comments

Svenceremos · 7. Oktober 2011 at 16:21

Vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Text. Du hast einen ausgezeichneten Schreibstil. Sachlich, informativ und angenehm zu lesen.

Das plötzliche Verständnis, das jetzt angeblich von Obama – und auch Geißler – der Protestbewegung entgegengebracht wird (siehe Zeit: http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/occupy-usa-obama), nehme ich äußerst skeptisch zur Kenntnis. Die angeprangerten Missstände sind ja nicht neu, bedurfte es tatsächlich landesweiter Proteste, damit ein Präsident darauf aufmerksam wird? Im Falle Obamas glaube ich, dass er kalte Füße bekommt, weil der Protest nicht mehr aufzuhalten sein wird und dass seine verständnisvollen Worte Beruhigungspillen fürs Volk sind. Immerhin – er hat es für nötig befunden, überhaupt etwas dazu zu sagen. Die Menschen auf der Straße sind auf dem richtigen Weg. Sie haben ein Recht, gehört und ernst genommen zu werden und im Moment verschaffen sie sich Gehör.

Eine sehr lesenswerte Seite ist „we are the 99 %“: http://wearethe99percent.tumblr.com/
Menschen treten hinter der Mauer der Scham und des Schweigens hervor und berichten von ihren Schicksalen, ihren Schwierigkeiten, erklären, warum sie glauben, zu den 99 % zu gehören.

Geißler ist einfach nur ein selbstverliebter Selbstdarsteller, der sich in seiner Rolle gefällt.

Mein Eindruck zu den deutschsprachigen Medien ist, dass sie zwar sehr spät angesprungen sind, aber die Berichterstattung sehr viel umfangreicher ist, als bei der Spanish Revolution. Bildungsstreik („marea verde“), Proteste gegen Kürzungen, Schließungen von Krankenhäusern, Verfassungsänderung und Kriminalisierungen der Bewegung #15m, der tägliche Kampf gegen zwangsgeräumte Familien – davon erfährt der deutsche Leser praktisch nichts.

Aber dafür gibt es ja uns Blogger;)

StefanieNorden · 18. Oktober 2011 at 12:50

Danke für Deinen Kommentar und das Lob 🙂

Deine Einschätzung bezüglich Obama teile ich, hoffe jedoch auch, dass es vielleicht soweit kommt, dass er gar nicht mehr anders kann als neben netten Worten an das Volk auch wirklich etwas in deren Sinne zu unternehmen.

Jetzt, wo die Proteste auch in Europa angekommen sind, scheint die Berichterstattung Fahrt aufzunehmen, mal sehen, wie lange das so bleibt… ich werde auf jeden Fall die Sache und auch Deinen Blog weiterverfolgen!

Viele Grüße, Stefanie

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