Was in den Vereinigten Staaten seit längerem Gang und gäbe ist, scheint nun auch in Deutschland Einzug zu halten: Wahlkampf 2.0. Nicht nur Offline mit Reden, Rundreisen durch das Land und klassischen Werbekampagnen, sondern auch in sozialen Netzwerken hat der Wahlkampf, für die Bundestagswahlen im Herbst, Einzug gehalten.

Der Einsatz von Social Media liegt ja im Grunde nahe. So wie Unternehmen sich dorthin begeben, wo die Nutzer anzutreffen sind, suchen Politiker ebenso die Nähe zu den Wählern. Gerade bei zunehmendem Politverdruss könnte dies ein Weg sein, “Bürgernähe” zu zeigen. Voraussetzung ist aber, wie für alle anderen Teilnehmer sozialer Netzwerke auch, dass die Inhalte interessant, informativ und authentisch sind. Getreu dem Motto “content rules” bedeutet das bloße Vorhandensein einer Social Media Präsenz, noch lange nicht deren Erfolg.

Bürgernähe im Social Web

Wie im “richtigen Leben” auch, gilt es verschiedene Kanäle zu besetzen, um die Nutzer dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten. Ein gutes Beispiel liefert hier eine Infografik zum Verhalten der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Obama und Romney.

BO-MR-Scorecard

Es werden die Social Media Auftritte der beiden Kandidaten in 9 sozialen Netzwerken verglichen. Wobei hier allein die Zahl der Follower, bzw. Fans angegeben ist. Facebook, Twitter, Klout, Pinterest, MySpace, Flickr, Instagram, LinkedIn und YouTube.

 

Mediale Omnipräsenz auch im Internet notwendig

Ich möchte nur stichpunktartig auf die demografischen Unterschiede der Netzwerke und somit den Sinn der Multichannel Strategie eingehen:

  • Hat das Netzwerk beruflichen oder privaten Charakter?
  • Wie ist der Bildungsstand?
  • Wie ist die Einkommensverteilung der Nutzer?
  • Wie sieht die demografische Zusammensetzung, also die Altersstruktur aus?
  • Wie ist das Gender Verhältnis – Männer und Frauen?
  • Welche Inhalte werden angezeigt? Musik, Videos, Links…

 

Anhand dieser Kriterien lässt sich leicht erkennen, dass eine gesellschaftliche Durchdringung nur über mehrere Kommunikationskanäle erreicht werden kann.

Offenbar ist dies Barack Obama, in den Vereinigten Staaten am Besten gelungen.

 

Peer Steinbrück im Social Web deutlich abgeschlagen

Betrachtet man die Präsenz von Angela Merkel und Peer Steinbrück in sozialen Netzwerken scheinen die deutschen Spizenpolitiker noch weit abgeschlagen, was den Einsatz von Social Media angeht.

Barack Obamas 34 Millionen Facebook Fans stehen Angela Merkels 229.000 gegenüber.

Interessanter ist jedoch eine Gegenüberstellung der deutschen Kontrahenten.

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Anzumerken ist fairerweise, dass Angela Merkel nicht immer mit ihrem Namen, als natürliche Person, aktiv ist, sondern Kraft Amtes als “Bundesregierung” oder “Bundeskanzlerin”. Beispiele sind:

Twitter: https://twitter.com/regsprecher – 88.000 Follower

Flickr: http://www.flickr.com/photos/bundesregierung/

Doch alleine die Gegenüberstellung der Facebook Seiten: 229.000 zu 18.300 ergibt ganz grob, dass Peer Steinbrück weniger als ein Zehntel der Fans von Angela Merkel hat.

 

Im Gegensatz zu Ihren amerikanischen Pendants sind die deutschen Politiker auch nicht auf so vielen verschiedenen Kanälen aktiv. Kein Account in beruflichen Netzwerken, wie XING oder LinkedIn, keine eigenen YouTube Kanäle.

 

Es wird interessant sein die weitere Entwicklung zu beobachten und im Nachhinein zu sehen, inwieweit die Medienauftritte zum Erfolg beitragen konnten.

 

Zum Autor:

Stefan Hoffmeister ist Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK) und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Social Media Manager. Im Social Web ist er unter seinem Pseudonym “Geistreich78” anzutreffen. Er unterhält mehrere Blogs zu den Themen Social Media, eCommerce und Domain Business. 2009 hat er das Internet Sanitätshaus “justlife24.com” – mit Multichannel eCommerce Strategie, gegründet.

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