Fußballfieber, Massenhundemord, politische Inhaftierung, Menschenrechtsverletzungen – eine brisante Mischung und alles andere als ein guter Stern für die derzeit stattfindende Fußball-Europameisterschaft in Polen und der vielkritisierten Ukraine.

 

Hundemorde und Julia Timoschenko

Hat bereits das Bekanntwerden der brutalen Methoden, mit denen die Ukraine seine Straßen im Vorfeld der EM 2012 von streunenden Tieren bereinigt (womit ich mich hier und hier bereits befasst habe) für Furore gesorgt, was jedoch größtenteils auf das Netz beschränkt blieb, ging das Schicksal Julia Timoschenkos durch alle großen Medien. Die ehemalige Ministerpräsidentin der Ukraine befindet sich seit August 2011 in Haft, wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, während weitere Ermittlungen aufgenommen wurden. Schnell kam der Verdacht der politischen Einflussnahme auf, und der jetzige Ministerpräsident Wiktor Janukowitsch habe sich seiner schärfsten politischen Konkurrentin entledigen wollen – und nicht nur Timoschenko, sondern die Hälfte des früheren Kabinetts sitzt inzwischen unter schlimmsten Bedingungen in Haft.

Die Welt schaut auf Kiew

Als schließlich bekannt wurde, dass der Inhaftierten notwendige medizinische Hilfe verweigert wurde, richtete sich die globale Aufmerksamkeit vollends auf die Ukraine, deren Haftbedingungen und Menschenrechtsverletzungen. Politiker wie Francois Hollande, neugewählter französischer Präsident, oder José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission (die es ihrem Präsidenten gleichtat) sagten ihre Teilnahme an der EM 2012 ab, Bundeskanzlerin Merkel hält sich eine Teilnahme oder Nicht-Teilnahme noch offen. Und sogar, als die EM bereits begonnen hatte, berichtete das ZDF noch über ukrainische Studenten, die zwangsweise aus ihren Wohnungen ausziehen mussten, um diese für die Dauer der EM an ausländische Gäste vermieten zu können, über Prostituierte, denen von der Polizei gesagt wurde, man würde es während der EM mit den Kontrollen nicht so genau nehmen. Und sind dies relativ gesehen nur Kleinigkeiten, stellt man sich dennoch die Frage, was nun wirklich alles in der Ukraine vorgeht, wenn alle Welt im Fußballfieber nicht so genau hinschaut?

Was tun?

Vielerorts wurde über Sinn und Unsinn eines Boykotts der EM 2012 diskutiert, doch würde dieser nur wirklich etwas bewegen, wenn er in großem Rahmen durchgeführt werden würde – utopisch.

Will man aber dennoch etwas tun, den Fussball zwar genießen, aber nicht vor allem anderen die Augen verschließen, was kann man tun? Denn mag man sich die Lage damit schönreden, dass die große Aufmerksamkeit für die EM 2012 ja auch Aufmerksamkeit auf die Mißstände in der Ukraine lenke – dass Aufmerksamkeit und Schönreden allein keine Umstände verbessert, haben die Olympischen Spiele 2008 in China gezeigt.

Es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich gegen die Situation in der Ukraine aussprechen, und am besten wird nicht nur geholfen, indem man jetzt etwas tut, sondern dadurch, dass man sich auch nach Ende der EM 2012 erinnert, informiert und weiter handelt.

Amnesty International: Aktion: Rote Karte für Polizeigewalt

Aktion Fair Play: EM 2012 ohne Tiermorde

PETA: Massentötungen in der Ukraine stoppen

 

Weiterführende Quellen:

WeeYoo: EM 2012: Fair geht vor?

Stern.de: Fußball-EM 2012: Ukraine empört sich über deutsche Boykott-Forderungen

Stern.de: Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine: Merkel erwägt scheinbar Kabinettsboykott der Fußball-EM

Stern.de: EM-Boykott-Diskussion in der Ukraine: Bitte nerven Sie vor Ort

YouTube: Ukraine – Fubball-EM und Menschenrechte

Das faire EM-Shirt: Deutscher Fairness Bund

Onlinelupe.de: 50 mal EURO 2012 im (Social) Web

Sueddeutsche.de: Protest gegen Missstände: Julia Timoschenko bricht Behandlung ab

ZDF.de: Ukraine: EM-Gastgeber im Porträt (Video)

ZDF.de: Boykott? Die Fußball-EM in der Ukraine (Video)

ZDF.de: Ukraine: Die EM und die Menschenrechte (Video-Kanal-Übersicht)

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