Jeder Blogger möchte, dass seine Artikel gerne und häufig gelesen werden. Klar, sonst würde er sie ja nicht schreiben. Aber wie kommt man von diesem Wunsch zum tatsächlichen Ergebnis, das ein Genuss für den Leser ist?
Der Flesch Reading Ease Test soll helfen, Texte aufzubereiten. Das ist nicht immer einfach, aber man lernt dabei eine ganze Menge über gute Texte – und darüber, auch einmal Fünfe gerade sein zu lassen und dem eigenen Stil treu zu bleiben.

 

Wichtig für Blogger: Der Lesbarkeitsindex

Der Lesbarkeitsindex ist eine Formel, mit der berechnet wird, die verständlich ein Text ist. Sie nimmt einen Text mathematisch auseinander und durchleuchtet zum Beispiel auf Satzlänge oder die Anzahl komplizierter Wörter.
Das Ziel für Blogger ist dabei, gut lesbare Texte zu verfassen. Denn gerade im Internet sind lange und schwierige Texte nicht gefragt. Das heißt nicht, dass Du im Telegrammstil schreiben sollst. Bandwurmsätze und eine Anhäufung von Fachwörtern bringen Dich aber ebenso wenig ans Ziel. Die goldene Mitte ist gefragt.

Für Deinen Unternehmensblog ist ein guter Lesbarkeitsindex aus noch einem Grund wichtig. Google bewertet gut lesbare Texte besser und belohnt sie mit guten Platzierungen in den Suchergebnissen. Sind Deine Texte schwer verständlich, wirst Du also schlechter gefunden.

Für den Lesbarkeitsindex gibt es nicht die Formel, sondern verschiedene. Eine davon ist der Flesch Reading Ease Test, die auch vom SEO-Plugin von Yoast genutzt wird.

 

Flesch Reading Ease im SEO-Plugin

Während das Plugin früher „nur“ dabei geholfen hat, den Metatext zu verfassen und den Artikel auf das Keyword hin zu überprüfen, wird der Text nun komplett durchleuchtet. Im bewährten Ampelsystem erfährst Du so schnell, wo es noch hakt und wie Du Deinen Artikel nachbessern kannst.

Wenn Du das erste Mal auf die Auswertung schaust, fällst Du vielleicht aus allen Wolken: Plötzlich ist vieles rot und orange. Was ist da bloß passiert? Schreibst Du tatsächlich so schlecht?

Ich kann Dich beruhigen: Nein, tust Du nicht. Keine Panik vor den roten Bewertungen. So kompliziert und schlecht, wie das alles aussieht, ist es gar nicht. Wir gehen die Punkte zusammen durch und schauen, welche Du ernst nehmen solltest und welche eher eine Richtlinie sind. Denn die Ampelpunkte sind längst nicht alles.

Der Flesch Reading Ease Test

Diese Grafik zur Auswertung eines meiner Texte zeigt, dass die erste Bewertung ziemlich rot aussehen kann. Und ich gestehe, dass es auch nach der Korrektur nicht wesentlich besser aussah. Allerdings hat das gute Gründe. Denn ehe Du versuchst, krampfhaft alles in den grünen Bereich zu kriegen, mache Dir bewusst, dass Du nicht für grüne Punkte schreibst, sondern für Deine Leser.

 

Deutsch oder Englisch?

Ehe Du Dich so wie ich darüber ärgerst, dass einige Punkte schlecht bewertet werden, prüfe, ob Dein Blog auf Deutsch oder Englisch eingestellt ist. Denn schon dadurch entstehen eklatante Unterschiede in der Bewertung. Die obere Grafik stammt von der Bewertung meines Textes eines deutschen Blogs. Derselbe Text hat vollkommen andere Ergebnisse in einem englisch eingestellten Blog erhalten:

Flesch Reading Ease Test auf englisch

Auf einmal ist der Flesch Reading Ease Test (mehr dazu gleich) von 41.4 auf 28.2 gesunken. Die Zahl der Übergangsworte und Phrasen lag bei der deutschen Überprüfung bei großartigen 53.3% und schafft jetzt nur noch mickrige 3.3%. Ebenso deutlich der Unterschied in der indirekten Rede: Das deutsch eingestellte Plugin kritisiert, dass 20.7% der Sätze indirekte Rede nutzen, das englisch arbeitende Plugin lobt die 0% indirekter Rede.

Der Grund für diese Unterschiede ist, dass Deutsch und Englisch sich unterscheiden und für deutsche Texte andere Richtlinien gelten. Es ist natürlich nicht sinnvoll, einen deutschen Text nach englischen Maßstäben zu optimieren. Achte darum zu allererst auf diese Einstellung.

 

Der Flesch Reading Ease Test

Ich habe oben von diesem Kennwert gesprochen, der für meinen Text je nach Auswertung 41.4 oder 28.2 betrug. Dahinter verbirgt sich eine Bewertung der Lesbarkeit eines Textes. Je höher die Zahl, desto leichter ist der Text zu verstehen.

0 – 30: Schwer verständlich und für Uni-Absolventen geeignet, aber nicht für den normalen Internet-Nutzer. Es ist viel zu mühsam, diesen Text online zu lesen.

60 – 70: Gut verständlich für Schüler zwischen 13 und 15 Jahren. Ab 60 gibt es den grünen Ampelpunkt, denn solche Texte sind gut geeignet, um im Netz gelesen zu werden.

90 – 100: Sehr einfache Texte. Schüler von 11 Jahren verstehen sie ohne Probleme. Ein Wert von 100 kann allerdings auch heißen, dass Dein Text zu einfach ist und von manchen Lesern nicht für voll genommen wird.

In diese Kennzahl fließt zum Beispiel die Satzlänge ein, aber auch die Anzahl langer und komplizierter Worte.

 

Zu viele lange Sätze sind schlecht

Wenn mehr als 25% Deiner Sätze über 20 Worte enthalten, solltest Du an dieser Stelle kürzen. Ersetze Kommas durch Punkte und streiche ausufernde Beschreibungen. Ist dieses Ziel erreicht, wird dies mit einem grünen Punkt belohnt. In beiden oberen Auswertungen lag ich mit 13% langer Sätze also schon sehr gut. Es ist in meinen Augen durchaus sinnvoll, auch längere Sätze in einem Text zu haben. Artikel, die ausschließlich aus kurzen Sätzen bestehen, wirken schnell eigenartig.

Tipp: Wenn Du den Editor nicht in den html-Modus stellst, erscheint neben dem Punkt mit dem Flesch Reading Ease Wert ein Augensymbol. Wenn Du darauf klickst, hebt das Plugin im Text alle Sätze farbig hervor, die mehr als 20 Worte enthalten. So ersparst Du Dir mühsames Suchen.

 

Herausforderung für Deutsche: lange Worte

Ist die Kennzahl vom Flesch Test allerdings noch immer zu niedrig, liegt es wohl an zu vielen zu komplizierten Worten. Und hier wird es schwierig. Denn Deutsch ermöglicht wie keine andere Sprache, mehrere Worte zu einem Ungetüm zusammenzuschreiben. Das kann man zwar umgehen, allerdings klingen Texte dadurch sehr umständlich formuliert. Beispiel: Aus „Datenmobilität“ kann man zwar „Mobilität der Daten“ machen. Flüssiger zu lesen wird der Text dann allerdings nicht unbedingt.

Außerdem kann man je nach Branche nur schwer auf bestimmte Fachbegriffe verzichten. Einige Worte können durch Abkürzungen in den grünen Bereich gebracht werden. Lass dies aber nicht überhand nehmen, denn darunter kann die Lesbarkeit eines Textes auch leiden. Oder würdest Du einen Artikel lesen wollen, der zur Hälfte aus Abkürzungen besteht?

Nutze diese Zahl also, um Deinen Text noch einmal genau zu prüfen und unnötige lange Worte zu streichen. Aber nur, wenn dadurch der Sinn des Textes erhalten bleibt.

 

Übergangsworte und Phrasen

Übergangsworte sind der Kleister eines Textes, der alles sinnvoll zusammenhält. Sie stellen logische Bezüge zwischen Aussagen her und erleichtern es Deinen Lesern, Deiner Argumentation zu folgen. Diese Angabe vom Flesch Test ist deshalb sehr wertvoll für Dich.
Beispiel:

„Draußen schüttet es wie aus Eimern. Deshalb nimmt Katharina einen Schirm, als sie spazieren geht.“

„Draußen schüttet es wie aus Eimern. Katharina nimmt einen Schirm, als sie spazieren geht.“

Im ersten Beispiel wird gleich klar, dass Katharina einen Schirm nimmt, weil es regnet. Im zweiten Beispiel ist der Zusammenhang zwar ersichtlich, aber es kostet mehr Mühe, ihn zu erkennen. Mache es Deinen Lesern einfach und sorge mit Übergangsworten dafür, dass der rote Faden Deines Artikels immer klar erkennbar ist.

 

Indirekte Rede

In einem anderen Artikel haben wir schon einmal davon geschrieben, dass ein aktiver Schreibstil die Leser mehr anspricht. An dieser Stelle scheint es ein Übersetzungsproblem des Plugins zu geben, da offenbar nicht die indirekte Rede, sondern das Passiv gemeint ist.

Diesen Punkt solltest Du trotzdem im Blick behalten. Insbesondere, wenn Du Handlungsempfehlungen für Deine Leser gibst, motiviert eine aktive Schreibweise sie deutlich mehr als eine passive Schreibweise.

Beispiel:
„Als Administrator passt Du die Facebook-Seite an Deine Wünsche an.“

„Die Facebook-Seite kann von Dir als Administrator angepasst werden.“

Das erste Beispiel ist aktiv formuliert, das zweite passiv. Der Unterschied ist subtiler als bei den Übergangsworten. Dennoch ist der Effekt nicht zu unterschätzen. An einigen Stellen kann das Passiv durchaus Sinn ergeben. Versuche, dies trotzdem auf einem Minimum zu halten.

 

Zu lange Absätze

Der Flesch Reading Ease Test bewertet auch, wie übersichtlich ein Text strukturiert ist. Fehlen z. B. Unterüberschriften wird dies bemängelt. Ebenso werden zu lange Absätze kritisiert, die mehr als 150 Worte enthalten.
Während Unterüberschriften auf jeden Fall sinnvoll sind, gefällt mir die Bewertung der Absätze noch nicht sehr gut.

Denn es scheint der komplette Text zwischen zwei Unterüberschriften als ein Absatz gewertet zu werden, egal wie viele echte Absätze eingebaut sind. Auch dieser Artikel hat drei solcher Absätze, die vom Plugin als zu lang bewertet werden. Ich wollte sie aber weder radikal kürzen, noch weitere Überschriften hineinzwängen. Deshalb akzeptiere ich den orangenen Punkt in der Bewertung.

 

Fünfe gerade sein lassen

Und das bringt mich zu einem entscheidenden Punkt: Du musst Dich nicht sklavisch an die Ampel halten. Wo es sinnvoll ist, nutze Textabschnitte, die mehr als 150 Worte enthalten. Wenn Du mit Absätzen für eine gute Lesbarkeit sorgst, werden Deine Leser keine Probleme damit haben. Länger als 250 Worte sollten sie aber nicht werden.

Dasselbe gilt für Fachbegriffe oder lange Worte. Nutze da, wo es sinnvoll möglich ist, einfachere Alternativen. Aber verzichte nicht auf jedes Wort, das mehr als zwei Silben hat. Manche Fachbegriffe sind notwendig, und zu viele verschiedene Abkürzungen machen einen Artikel schnell unübersichtlich.

 

Fazit

Der Flesch Reading Ease Test ist ein sehr nützliches Werkzeug, um Texte aufzuwerten und lesbarer zu machen. Dass er im SEO-Plugin integriert ist, kommt uns als Bloggern dabei sehr entgegen, da so keine Notwendigkeit für ein weiteres Plugin besteht.

Es hat durchaus noch ein paar kleinere Schwächen, mit denen man aber arbeiten kann. Das Wichtigste ist, sich nicht zu sklavisch an die grünen Punkte zu halten und den eigenen Stil zu wahren. Denn das Passiv oder lange Worte gehören nun einmal auch zur deutschen Sprache. In Maßen eingesetzt bereichern sie einen Text.

Das hier ist übrigens die Auswertung für diesen Artikel. Ich denke, ich kann zufrieden sein, oder?

Ergebnis vom Flesch Reading Ease Test

Categories: Blogging

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von B2N Social Media Services. Unser Team unterstützt kleine Unternehmen, sich auch als Anfänger und mit wenig Zeit im Social Web bekannt zu machen. Unter "Leistungen" erfährst Du, wie wir auch Dir helfen können, online neue Interessenten zu gewinnen.

3 Comments

Avatar

Martina · 7. März 2017 at 10:47

Ein großes Dankschön für diese hilfreiche Erläuterung von Flesch Reading Ease Text. Ich nutze das SEO-Plugin, konnte mir aber mit diesem Teil nicht so recht etwas anfangen. Das hat sich jetzt geändert!
Herzliche Grüße
Martina

Avatar

Merlin · 14. März 2017 at 19:30

Vielen Dank für die nützlichen Tipps! Über viele Dinge wie z.B. Übergangsworte und Phrasen macht man sich vor dem Schreiben kaum Gedanken.

Viele Grüße
Merlin

Der Flesch-Reading-Ease: Geißel des Texters oder hilfreiche Kennzahl? • Die Textagentin · 2. Mai 2019 at 14:14

[…] Nützliche Qual: Der Flesch Reading Ease Test […]

Comments are closed.