Was ist denn dieses Slow Blogging schon wieder? Kaum hast Du einen Unternehmensblog aufgesetzt, kommt der nächste Trend um die Ecke, dem Du folgen sollst?

Keine Panik, dies wird Dir gefallen. Und außerdem helfen, entspannt zu bloggen und gleichzeitig verdammt gute Artikel zu schreiben. Klingt schon gar nicht mehr so schlecht, oder?

 

Was ist Slow Blogging?

Slow Blogging ist in aller Kürze der Weg aus dem Hamsterrad: Statt im Akkord einen Artikel nach dem anderen zu produzieren, nur um den Redaktionsplan fristgerecht abzuarbeiten, wird nur noch dann geschrieben, wenn es sich richtig anfühlt. Dann aber richtig: Der Fokus liegt auf hochqualitativen Artikeln. Es geht also darum, lieber einen verdammt guten Artikel zu schreiben, statt zwei bis vier mittelmäßige.

 

Slow Blogging ist alt

Slow Blogging wurde als neuer Hype des Jahre 2015 gefeiert, ist aber eigentlich schon wesentlich älter. Geprägt hat den Begriff und das Konzept Todd Sieling, und zwar schon 2006. Damals war das Bloggen noch weit entfernt von dem Stand, den es heute hat. Auch private Blogger haben sich immer weiter professionalisiert, dicht gestrickte Redaktionspläne aufgestellt und nach immer neuen Möglichkeiten gesucht, ihre Blogs auch zu monetarisieren. Der Spaß ist dabei leider oft auf der Strecke geblieben.

Ich gebe zu: Ich gehöre dazu, zumindest mit meinem ersten privaten Blog. Irgendwann fehlte mir die Zeit, regelmäßig Bücher zu lesen und zu rezensieren, so dass ich schließlich bewusst entschied, ihn auf Eis zu legen und mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Das ist zwar kein Slow Blogging, aber den Druck, einen Blog zu betreiben, kenne ich.

 

Ja, aber die Reichweite?

Der erste Gedanke, den viele Blogger haben, ist dass sie durch weniger Artikel drastische Einbußen in ihrer Reichweite in Kauf nehmen müssen. Das stimmt so aber nur bedingt. Robert Weller von toushenne.de erklärt es wie folgt: Wer einfach weniger Zeit investiert, um seinen Blog zu betreiben, wird wahrscheinlich Traffic-Einbußen in Kauf nehmen müssen. Wer die Zeit stattdessen in weniger, aber bessere Artikel investiert, gewinnt langfristig an Reichweite und Traffic. Dazu kommt, dass die Abhängigkeit vom „Social Buzz“ sinkt. Wenn du Content erstellst, der auch in Jahren noch wertvoll ist, wird dieser insbesondere über Google gefunden. Du bist also weniger abhängig vom Facebook-Algorithmus oder kurzlebigen Meldungen in den sozialen Netzwerken, die nach wenigen Minuten oder Stunden schon kaum noch von einem Nutzer wahrgenommen werden.

Robert Wellers ausführliche Antwort und die Meinungen einiger anderer professioneller Blogger findest Du in diesem wirklich guten Artikel von Zielbar.

 

Slow Blogging für Unternehmensblogs?

Auf diese Frage kann man mit einem eindeutigen Jein antworten. Und zwar aus folgendem Grund:

Du willst (neue) Kunden durch Deine Inhalte von Dir überzeugen. Und zwar durch gute Inhalte. Qualität ist hier eindeutig wichtiger als Quantität. Denn mit mittelmäßig prächtigen Artikeln wirst Du eben auch nur mittelmäßig wirken, und kaum aus der Masse an Informationen herausstechen, die das Internet zu bieten hat. Versetze Dich in die Lage Deiner Leser: Wenn Du auf der Suche nach Antworten zu einer Frage bist, was würde Dich eher überzeugen – ein langer Artikel, der wirklich gut ist und Deine Frage gründlich beantwortet, oder ein Text der nur wiederkäut, was Du auch bei Wikipedia oder allen anderen Anbietern von diesem Produkt gefunden hast?

Auf der anderen Seite haben Deine Leser eine Erwartungshaltung an Deinen Blog, die Du kaum erfüllen kannst, wenn Du nur bloggst, wenn Du Lust auf einen Artikel hast. Deine Leser mögen keine Spontanität, die dazu führt, dass sie in einer Woche drei Artikel bekommen, dann zwei Wochen warten müssen, um eine kurze Meldung zu lesen, um nach einer weiteren langen Pause wieder einen Artikel zu bekommen. Im privaten Bereich ist es in Ordnung, zu kommunizieren, dass Du nicht immer Zeit zum Bloggen hast. Im beruflichen Kontext lässt Dich dies allerdings unorganisiert und unzuverlässig aussehen, denn schließlich ist Dein Blog Dein Unternehmensauftritt.

 

Tipps zum Slow Blogging

Versuche, für Deinen Unternehmensblog einen Mittelweg zu finden: Eine Frequenz für Blogartikel, die Dich nicht unter Druck setzt, aber Deinen Lesern in ihrem gewohnten Takt neue Inhalte bieten. Ein Artikel pro Woche ist sicherlich ein guter Schnitt, aber wenn dies für Dich zeitlich nicht zu schaffen ist, veröffentliche alle 14 Tage einen neuen Inhalt. Wenn es zwischendurch passt, kannst Du zusätzlich zu diesem „Grundrauschen“ einen weiteren Artikel veröffentlichen. Anders herum kannst Du auch, wenn Du Dich vor Aufträgen nicht retten kannst, auch Deinen Lesern deutlich kommunizieren, dass Du aufgrund der Auftragslage eine Pause einlegen musst. In diesem Fall definiere, bis wann die Pause geht, und halte diesen Zeitraum ein.

Damit Du beim Bloggen nicht ins Stocken gerätst, gibt es außerdem ein paar Tipps:

  • Schaffe Dir einen Puffer aus Artikeln, um auch Durststrecken zu überbrücken. Wenn du Evergreen-Artikel schreibst, die dauerhaft wertvoll sind, behandeln diese Themen, die nicht zeitsensitiv sind. Es ist also egal, ob sie ein paar Tage oder Wochen „warten“, ehe sie veröffentlicht werden.
  • Sammle rechtzeitig neue Ideen. Und zwar nicht erst dann, wenn morgen der nächste Artikel ansteht, sondern bereits dann, wenn auf Deiner Ideenliste nur noch drei oder vier Artikel stehen.
  • Nimm Dir ausreichend Zeit für die Themenfindung. Schreibe Dir unterwegs alle spontanen Ideen auf, die Dir kommen, aber setze Dich regelmäßig hin und bereite eine Liste mit Themen vor. Wenn Du in einem Rutsch 10 oder 20 Artikelideen sammelst, wirst Du mehr Zeit sparen, als wenn Du immer nur den nächsten Artikel vorbereitest. In dieser Liste kannst Du auch gleich das Keyword notieren, auf das Du den Artikel optimieren willst.
  • Nutze den guten alten Redaktionsplan, schlichtweg um den Überblick zu bewahren.

 

Meine Meinung zum Slow Blogging

Im privaten Rahmen macht Slow Blogging auf jeden Fall Sinn. Bloggen soll (und kann!) sehr viel Spaß machen. Bloggen ist ohne Frage manchmal anstrengend, und hochwertige Artikel zu schaffen kostet Zeit. Deshalb sollte im privaten Rahmen nicht der Druck aufkommen, zu hoch gesteckte Ziele erfüllen zu müssen.

In einem Unternehmensblog sieht es für mich anders aus. Auch hier sollte die Qualität der Artikel auf keinen Fall leiden, weshalb wenige gute Artikel immer besser sind als viele mittelmäßige. Ebenso wichtig ist aber Kontinuität, die nun einmal mit einem gewissen Arbeitsaufwand verbunden ist. Deshalb halte ich Slow Blogging in diesem Bereich in Maßen für sinnvoll: Finde Deine Artikelfrequenz, die Dich fordert, aber nicht überfordert. Lasse etwas Luft nach oben, denn ständig am Limit zu bloggen laugt auf Dauer aus. Halte es lieber so, dass Du mehr geben könntest, wenn Du müsstest, denn so wirst Du auch langfristig Spaß am Bloggen haben.

 

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Dieser Artikel erschien zuerst am 10.05.2016 und wurde am 18.04.2019 aktualisiert.


Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von B2N Social Media Services. Unser Team unterstützt kleine Unternehmen, sich auch als Anfänger und mit wenig Zeit im Social Web bekannt zu machen. Unter "Leistungen" erfährst Du, wie wir auch Dir helfen können, online neue Interessenten zu gewinnen.

4 Comments

Claudia Dieterle · 17. Mai 2016 at 15:38

Hallo Frau Bitomsky,

ich denke, es gibt keine pauschale Empfehlung, wie oft man bloggen sollte, es muss nur regelmäßig sein. Grundsätzlich finde ich, weniger ist mehr. Lieber guten Inhalt veröffentlichen und dafür seltener, als häufig schlechten Inhalt. Außerdem sollte die Mischung passen, d. h. eigene und fremde gute Inhalte teilen.

Viele Grüße
Claudia Dieterle

Benjamin Brückner · 27. Mai 2016 at 17:17

Hallo Frau Bitomsky,

herzlichen Dank für die Erwähnungn meines Beitrags in Ihrem Artikel, den ich auch für sehr gelungen halte. Ich stehe der Kultur von „Slow Blogging“ im eigenen Blog eher kritisch gegenüber. Bloggen ist und bleibt eben auch Arbeit, wie Sie schon richtig andeuten. Und wer zu selten veröffentlicht, der braucht sich über abwandernde User nicht zu wundern.

Dennoch muss jeder Blogger selbst seinen Turnus festlegen. Ein Corporate Blog aber braucht eine gewisse Stringenz und muss eine Erwartungshaltung erfüllen.

Raffaele Giovane · 22. Oktober 2018 at 09:18

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich blogge erst sein ein paar Monaten und bin von meiner to-do-Liste überwältigt. Tut gut von professionellen Bloggern zu lesen, dass es auch beim bloggen ’slow‘ gehen kann. Wünsche einen schönen Wochenstart!

Liebe Grüsse
Raffaele Giovane

Henning Uhle · 5. August 2019 at 19:50

Tag zusammen,

Der Artikel hat zwar schon ein paar Tage auf dem Buckel. Dennoch kann ich ja meinen Senf dazugeben.

Ich muss mich ja immer disziplinieren, nicht zu allem irgendwas zu sagen. Deshalb habe ich nun endlich nach 10,5 Jahren angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, was ich eigentlich alles mit dem Blog anfangen will.

Ich habe kein Geschäft, das darüber bekannt werden soll. Ich will auch über den Blog nichts verkaufen. Und alles wissen kann ich eh nicht. Wieso also täglich irgendwas schreiben?

Das habe ich nun jahrelang gemacht, zum Teil mehrere halbgare Artikel rausgehauen, nur um irgendwas veröffentlicht zu haben. Nun will ich mir Struktur geben.

Das fängt damit an, dass ich bestimmt nicht mehr unbedingt jeden Tag einen Artikel veröffentlichen werde. Dann lieber, wenn das Thema des Artikels fertig ist. Ich denke, ich muss nicht mehr mehrere Artikel zu einem Thema veröffentlichen. Zum Beispiel reicht doch ein Artikel zur DSGVO. Ich muss nicht aus jedem Gedanken einen eigene Artikel zaubern.

Aber nun: Wie kriegt man da die Kurve? Und außerdem habe ich mir vorgenommen, dem Blog eine neue Struktur zu geben. Neue Kategorien und sowas. Das aber bei so einem gewachsenen Blog zu tun, ist ziemlich heikel. Ist so mein Gefühl. Oder wie seht ihr das?

Grüße
Henning Uhle

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