Du hast dieses tolle Produkt. Es ist toll, großartig, perfekt.

Aber obwohl Du absolut überzeugt davon bist, kriegst Du diese Begeisterung einfach nicht richtig vermittelt. Deine Beiträge in den sozialen Netzwerken klingen gestelzt und wecken kaum Begeisterung, egal mit welcher Wortwahl. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern – denn sprachlich Emotionen zu wecken ist kein Hexenwerk!

Mir hat bei diesem Thema sehr mein Fernstudium zum Online-Redakteur geholfen, indem die folgenden Punkte ausführlich behandelt wurden.

 

Wie sag ich’s im Social Web?, Teil 1 – Die richtige Wortwahl

 

Sprache ist ein Werkzeug – und ein Spielzeug

Unsere Sprache hat viele Ebenen. Ganz klar dient sie dazu, Sachverhalte zu vermitteln: Du kannst jemanden von Deinem Urlaub erzählen, ihm etwas erklären, Fragen stellen und beantworten… Kurz gesagt, mit Sprache kannst Du Informationen weitergeben. Sie ist ein Werkzeug, mit dem Du in Deinem Blog und in den sozialen Netzwerken von Deinem Produkt erzählen kannst.

Das ist aber längst nicht alles: Sprache vermittelt auch Gefühle. Und das nicht nur, indem Du schreibst „Dadurch fühlt man sich glücklich“, sondern indem Du eine Situation so beschreibst, dass der Leser sich wirklich glücklich fühlt. Mit der richtigen Wortwahl kannst Du die Emotionen wecken, die Du mit Deinem Produkt verbinden willst.
Sprache ist aber auch ein Spielzeug und bietet viele Möglichkeiten für Wortwitze, die den Leser zum Nachdenken oder Schmunzeln bringen. Eine geistreiche Bemerkung oder ein Witz bleiben vielen lange im Gedächtnis. Sprache ist nichts, was starr und steif ist, sondern bietet immer auch den Raum für Witz und sprachliche Experimente.

Du musst kein professioneller Texter sein, um mit Sprache zu experimentieren und tolle Beiträge zu verfassen. Wenn Du aufmerksam Beiträge analysierst, die Dich wirklich ansprechen, lernst Du wie von selbst eine ganze Menge über die Mittel der Sprache und eine erfolgreiche Wortwahl.

Experimentiere ein wenig, wenn du Beiträge verfasst. Entwerfe verschiedene Versionen und vergleiche sie. Das ist keine Zeitverschwendung, sondern viel eher ein kleines Spiel für Dich, das Dir die Möglichkeit gibt kreativ zu werden und zu gucken, mit welcher Wortwahl du Deine Botschaft am beste vermitteln kannst. Und damit kommen wir zum nächsten Punkt:

 

Was willst Du sagen?

Was genau möchtest Du Deinen Fans und Followern sagen?

Sicher, Du möchtest wahrscheinlich über Dein Produkt informieren und sie dazu bewegen, es zu kaufen. Aber wie genau willst Du das erreichen? Welche Emotionen sollen Deine Leser haben, wenn sie an Dein Produkt denken? Was ist ihr Problem, ihr „pain“, das nur Dein Problem lösen kann?

Schaue Dir einmal erfolgreiche Werbung an und analysiere, mit welchen Emotionen sie arbeitet. Autowerbung zum Beispiel setzt vielfach auf das Gefühl der Freiheit und der Mobilität: Leere Straßen durch wundervolle naturbelassene Landstraßen, die richtig Lust machen, dort entlang zu fahren.

Überlege Dir, was die herausstechenden Merkmale Deines Produktes sind. Oft bietet es sich an, mit der Wortwahl die sinnlichen Eigenschaften hervorzuheben: „kuschelweiche Wolle“, „scharfe Soße“, „schmeckt wie Urlaub: Kräuter der Provence“.

 

Die richtige Wortwahl

Viele Worte in unserer Sprache bedeuten (grob) dasselbe, wecken aber vollkommen unterschiedliche Bilder in unseren Köpfen. Für Dich bedeutet das auf der einen Seite, dass Du bei der Wortwahl Deiner Beiträge ein Auge darauf haben musst, keine Begriffe zu verwenden, die beim Leser ganz anders ankommen als beabsichtigt. Auf der anderen Seite heißt dies aber auch, dass Du einen riesigen Baukasten hast, um Deinen Beiträgen die emotionale Färbung zu geben, die sie haben sollen.

Ein Beispiel: Müll – Abfall – Reststoffe

Alle drei Worte bedeuten (grob) dasselbe. Allerdings wecken sie ganz unterschiedliche Bilder im Kopf des Lesers: Bei Müll denkt jeder an den vollen Mülleimer in der Küche oder stinkende Mülldeponien. Abfall klingt neutral und deutlich weniger dreckig. Und Reststoffe klingen ziemlich positiv.

Ein anderes Beispiel: Fresse – Gesicht – Antlitz

Während Fresse deutlich abwertend und beleidigend ist, ist Gesicht ein neutraler Begriff. Antlitz ist sehr poetisch (und ein wenig altmodisch).

Allerdings ist ein bisschen Vorsicht geboten: Wenn Du es mit solchen Begriffen übertreibst, klingst Du bald wie eine glattgebügelte Werbebroschüre. Bleibe in Deiner Wortwahl deshalb auf jeden Fall ehrlich und stelle Dir selbst diese kritische Frage: Möchtest Du Dein Produkt ansprechend beschreiben, oder möchtest Du mit hochtrabenden Begriffen über unschöne Eigenschaften hinwegtäuschen?

 

Adjektiv

Mit Adjektiven kannst Du Dein Produkt beschreiben. Und zwar nicht nur mit „toll“, „super“ oder „perfekt“, sondern deutlich farbenreicher und treffender. Wir haben schon kurz den Punkt der sinnlichen Eigenschaften Deines Produktes gesprochen: kuschelweich oder scharf. Das Schöne an diesen Beschreibungen ist, dass Deine Leser damit mehr anfangen können. Denn „perfekt“ ist eigentlich ziemlich nichtssagend, während „scharf“ eine klare Vorstellung weckt.

Wichtig ist, dass Du es nicht übertreibst – Ansammlungen von Adjektiven wirken nicht überzeugend, sondern verzweifelt: „Diese scharfe, würzige Soße passt toll zu leckerer, köstlicher Pasta und ergänzt ein schönes, gemütliches Abendessen um eine interessante, lohnenswerte Geschmackskomponente.“ Besser kannst Du Deine Leser kaum in die Flucht schlagen.

Auch bei Adjektiven ist es also wichtig, dass Du Dich auf die Kernbotschaft Deines Textes besinnst und diese hervorhebst, ohne dabei den Text mit Adjektiven vollzustopfen. Im obigen Beispiel wäre das die scharfe, würzige Soße. „Scharf und würzig für Deinen Teller – peppe Dein Essen mit unserer Soße auf und erlebe eine Geschmacksexplosion!“ klingt schon nach einer wesentlich besseren Grundlage für einen guten Text.

 

Ausgelutschte Phrasen und nichtssagende Füllwörter

Wir alle kennen sie: Ausdrücke, die oft auftauchen und jedem bekannt sind. Zu bekannt, um ehrlich zu sein. Denn eigentlich sind sie ziemlich nichtssagend, und von großer Kreativität zeugt diese Wortwahl auf nicht. Beispiele dafür sind „ein Schritt in die richtige Richtung“, „triftiger Grund“, „vertrauensbildende Maßnahme“, „Weichen stellen“, „in den Griff bekommen“ und vieles mehr.

Zwar kann (und muss) man diese Begriffe nicht komplett weglassen, aber es lohnt sich Ausschau nach unverbrauchten Worten zu halten.

Auch nichtssagende Füllwörter solltest Du kritisch prüfen und streichen. Denn sie blähen Texte auf, ohne einen Mehrwert zu bieten. Damit Deine Beiträge aber gelesen werden, müssen sie ihre Botschaft auf den Punkt bringen. Prüfe bei jedem „irgendwie“, „wohl schon“ und „eigentlich“, ob es wirklich nötig ist und konkretisiere Deine Aussagen.

 

Nutze Synonyme

Synonyme sind großartig, um Deine Beiträge zu bereichern, ohne sie aufzublähen. Es gibt zum Beispiel viele Worte für „sehen“, die alle eine leicht unterschiedliche Bedeutung haben:
Sehen – neutral
Betrachten – eher prüfend
Mustern – kritisch beäugen
Anstarren – unverhohlen und unverschämt
Beobachten – klingt heimlichtuerisch, aber auch nach einer längeren Angelegenheit
Das heißt nicht, dass Du kein Verb doppelt benutzen darfst. Es würde sehr eigenartig klingen, wenn Du in einem längeren Text krampfhaft alle Synonyme für „laufen“ und „sagen“ verwendest. Aber dort, wo es sich anbietet, kann ein passendes Synonym Deine Texte auflockern und die Aussage deutlicher werden lassen.

 

Fazit: Wortwahl macht Spaß

Mir macht es (meistens) ziemlich viel Spaß mit Worten zu spielen und so mit verschiedenen Aussagen zu experimentieren, bis ein Text die Botschaft vermittelt, die ich im Sinn habe. Wer bisher eher wenig geschrieben hat, sollte sich davon nicht abschrecken lassen – mit ein bisschen Übung und Experimentierfreude wird es immer besser funktionieren, gute Beiträge für die sozialen Netze zu verfassen.

 

Im zweiten Teil wird es um den Satzbau gehen und darum, wie ein Beitrag am besten aufgebaut wird, damit er die gewünschte Wirkung erzielt. Ich hoffe, Dich dort wiederzusehen!

 

Kennst Du noch mehr Tipps für die richtige Wortwahl? Dann her damit! Wir freuen uns über Dein Kommentar.

 


Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von B2N Social Media Services. Unser Team unterstützt kleine Unternehmen, sich auch als Anfänger und mit wenig Zeit im Social Web bekannt zu machen. Unter "Leistungen" erfährst Du, wie wir auch Dir helfen können, online neue Interessenten zu gewinnen.

2 Comments

Claudia Dieterle · 12. April 2016 at 15:23

Hallo Frau Bitomsky,

im Internet werden mehr und mehr Bilder verwendet (Emojis, usw.), ich bin der Meinung, dass diese bei Weitem nicht so aussagekräftig sind wie unsere Sprache, mit der man viel differenzierter etwas ausdrücken kann, was in diesem Artikel sehr gut beschrieben ist.

Freundliche Grüße
Claudia Dieterle

    Frauke Bitomsky · 12. April 2016 at 15:35

    Hallo Frau Dieterle,

    toll, dass Ihnen mein Artikel gefällt.
    ich stimme Ihnen zu, unsere Sprache bietet mehr Ausdurcksmöglichkeiten als Emojis. Wobei ich diese gerne als Ergänzung nutze, um Akzente deutlich zu machen, die sonst einen eigenen Satz oder eine umständliche Formulierung erfordert hätten. Wobei sie auch dort eben nur eine Ergänzung sind, die stimmig passen muss, und keinen Beitrag ersetzen.

    Viele Grüße
    Frauke Bitomsky

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