Gründe für eine vegetarische Ernährung

So unterschiedlich die verschiedenen Vegetarier sind, so unterschiedlich sind auch die Gründe für eine vegetarische Ernährung. Die Friedrich Schiller Universität in Jena hat eine umfangreiche Studie mit etwa 4.000 Vegetariern durchgeführt, womit dies die größte Befragung von Vegetariern weltweit ist und interessante Einblicke in die Motivation vieler Vegetarier gewährt.
Der Hauptmotivator für viele Vegetarier sich fleischlos zu ernähren sind demnach moralische Bedenken aufgrund der Zustände der Massentierhaltung. Aber auch gesundheitliche Gründe, der Wunsch abzunehmen oder Sorgen um die Umwelt bewegen Menschen, auf Fleisch zu verzichten.

Moralische Bedenken

Beinahe jeder kennt Bilder und Videos aus den Ställen der Massentierhaltung, teilweise heimlich von Tierschützern aufgenommen: in engsten Ställen und Käfigen auf verdreckten Drahtgittern oder nackten Stallböden zusammengepfercht drängen sich die Tiere. Tote Artgenossen bleiben liegen und sind ein Krankheitsherd. Vorsorglich erhalten die Tiere Cocktails aus verschiedenen Antibiotika. Schnäbel und Schwänze werden ohne Betäubung kupiert. Am Ende eines kurzen Lebens kommt für die Tiere der Gang zum Schlachter, um als möglichst günstiges Fleischprodukt im Supermarkt zu landen.
Viele Vegetarier kennen diese Bilder und wollen durch den Verzicht auf Fleisch ihren Beitrag leisten, gegen die Massentierhaltung vorzugehen. Ebenfalls aus diesen Gründen entscheiden sich viele Flexitarier das Fleisch, das sie konsumieren, aus artgerechter Haltung zu kaufen.

Vegetarier leben gesünder

Es ist wahr, dass die meisten Vegetarier weniger Gewichtsprobleme haben als Fleischesser, bessere Blutwerte aufweisen und länger leben. Auch die in der Massentierhaltung eingesetzten Antibiotika stellen durch die immer weiter wachsende Gefahr resistenter Keime ein potentielles Gesundheitsrisiko dar.

Es kann allerdings nicht abgestritten werden, dass Fleisch ein wichtiger Lieferant für Eisen, Eiweiß, Zink und B-Vitamine ist. Bei einer vollkommen fleischlosen Ernährung, in der auf Nahrungsergänzungsmittel verzichtet werden soll, muss auf eine große und ausgewogene Vielfalt geachtet werden, um keine Mangelerscheinungen zu riskieren. Ebenfalls ist Vegetarismus nicht gleichzusetzen mit einer Diät, da auch vegetarische Gerichte Kalorienbomben sein können. Eine vollkommen vegane Lebensweise wird von vielen Medizinern für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren als kritisch angesehen, da das Risiko einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen während des Wachstums sehr groß ist. Inzwischen raten immer mehr Mediziner zu einer ausgewogenen Ernährung, in der Fleisch in geringen Mengen vorgesehen ist.

Fleisch essen schadet der Umwelt

Der wachsende Fleischverbrauch hat folgenschwere Auswirkungen auf die Umwelt und gilt als der Hauptverursacher von Umweltproblemen wie Klimawandel, Luft- und Wasserverschmutzung und Verlust der Artenvielfalt. Die Nutztiere stoßen große Mengen von Methan aus, welches 21 mal klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Die Gülle der Tiere wird in oft viel zu großen Mengen auf die Äcker aufgebracht und belastet Böden und Grundwasser.
Auch die nötigen Menge an Futtermitteln stellt ein Problem dar: Um 1kg Fleisch zu produzieren, werden 7kg Getreide benötigt. Die Anbauflächen für pflanzliche Nahrungsmittel wie Getreide konkurrieren mit den Anbauflächen für Tierfutter, als Folge steigen auch die Nahrungsmittelpreise. Um die Tiere möglichst schnell zum Schlachtgewicht zu bringen, wird eiweißreiches Futter benötigt. Deshalb werden jährlich Millionen Tonnen Sojabohnen aus Gebieten importiert, in denen für den Anbau der Regenwald abgeholzt wird.

Ist Fleischkonsum vertretbar?

Die Debatte, ob man gänzlich auf Fleisch verzichten, den Konsum einschränken oder den alten Gewohnheiten treu bleiben soll, wird hitzig geführt. Fleischesser fühlen sich in Diskussionen schnell gerade von den moralisch orientierten Argumenten der Vegetarier in die Ecke gedrängt, zumal neben manchen Fleischessern auch einige Vegetarier zu sehr plakativen Aussagen neigen, die bei einem sachlichen Austausch keiner Seite helfen.
Eines der Gegenargumente der Fleischesser gegenüber Vegetariern ist, dass auch der Konsum von Milch und Eiern, auch in verarbeiteter Form in fertigen Lebensmitteln, mit tierquälerischer Massentierhaltung einhergeht. Und auch ein Großteil unserer pflanzlichen Nahrung ist von der Ausbeutung von Nutztieren abhängig: Ohne Bienen würde die Menge der zur Verfügung stehenden pflanzlichen Nahrungsmittel drastisch sinken.

Eine endgültige Entscheidung oder gar Einigung zwischen den vielen unterschiedlichen Gruppen und Meinungen ist in naher Zeit nicht absehbar, so dass letztlich jeder für sich entscheiden muss, wie er seinen Fleischkonsum gestalten oder eine fleischlose oder vegane Lebensweise wählen möchte.

Mehr zu den Anfängen der Vegetarier sowie generellen Informationen zum Weltvegetariertag siehe Teil 1.

 

Quellen:

www.reflect-online.org: Deutsche Küche, ein ausführlicher Artikel über die Folgen des Fleischkonsums

www.tagesspiegel.de: Fleischverzicht allein macht nicht gesünder

www.derberater.de: Vegetarier: Ist fleischlos wirklich so gesund?

www.gesundheit-sachsen-anhalt.de: Vegetarier: gesund oder mangelernährt?

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