“Werder bewegt – lebenslang”: so der Name der erst jüngst ins Leben gerufene CSR-Marke des Fußballvereins Werder Bremen. Gesellschaftliches Engagement und soziale Verantwortung. Die Wahl des seit längerem in der Kritik stehenden Geflügelbetriebes Wiesenhof mag jedoch nicht recht ins Bild passen.

Bereits am Donnerstag vermeldete die “Bild”, Werder Bremen habe sich mit Wiesenhof auf ein zweijähriges Sponsoring geeinigt. Tierschützer sowie Anhänger des Vereins hatten bereits dagegen protestiert, dass ein Unternehmen wie Wiesenhof überhaupt als Sponsor in Betracht gezogen wurde. Nachdem seitens des Vereins erst versichert wurde, man würde die Kritiken ernst nehmen, löste nun die Bekanntgabe, man habe sich dennoch mit Wiesenhof geeinigt, die zu erwartende Empörungswelle aus.

Erst im Juli wurden erneut die katastrophalen Zustände in einer von Wiesenhof betriebenen Geflügelmastanlage aufgedeckt, und auch in den beiden vergangenen Jahren kamen ähnliche Skandale ans Tageslicht. Die ARD berichtete 2011 über das “System Wiesenhof”, auch wenn das Unternehmen die Ausstrahlung eifrig zu verhindern versuchte. Wiesenhofs Image befindet sich seitdem im Dauer-Tief. Zudem wurden Ermittlungen wegen Tierquälerei aufgenommen.

Die Werder-Geschäftsführung äußert jedoch ihre Freude über den neuen Sponsor, nennt Wiesenhof “ein bodenständiges Familienunternehmen der dritten Generation (…), das mit Kritikern der modernen Nutztierhaltung offen über alle Themen diskutiert und kontinuierlich an Verbesserungen des Tierwohls arbeitet und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe übernimmt: Lebensmittel zu produzieren.” mit Leitsätzen wie “ökologisches und nachhaltiges Denken, verantwortungsbewusstes Handeln, Pflegen einer offenen Kommunikation, Sicherheit und Vertrauen für den Kunden sowie Wertschätzung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern”. Da diese zu den Grundsätzen Werder Bremens passten, entschied man sich für eine Zusammenarbeit. Zuletzt wurde darauf hingewiesen, dass Wiesenhof, hätte es etwas zu verbergen, sich nicht mit diesem Sponsoring dermaßen ins Rampenlicht gestellt hätte, und von seinen Fans wünsche man sich eine “Versachlichung der Debatte”.

Die Öffentlichkeit ließ sich jedoch nicht so einfach abspeisen, es hagelte Tweets und Kommentare, der Blogger Andreas Dantz verfasste diesen offenen Brief an seinen Lieblingsverein und auch die Süddeutsche nahm sich des Protests an. Die Facebook Page “Wiesenhof als Werder-Sponsor? NEIN Danke!” erreichte heute mehr als 17.000 Likes.

 

Dort wurde auch innerhalb der Fans die Frage gestellt, wie man seinem Unmut außerhalb des Internets Raum verschaffen sollte: Dauerkarten zurückgeben, Protest am Hauptbahnhof, Boykott des anstehenden “Tags des Fans”?

Ich werde den Verlauf dieser Situation weiter verfolgen und will mich für heute auf eine erste Zusammenfassung der Informationen beschränken. In Bälde werde ich mich intensiver mit der Thematik befassen und die Entwicklungen des Wochenendes miteinbeziehen (siehe hier).

 

 

Weitere Quellen:

Werder.de: Wiesenhof neuer Hauptsponsor des SV Werder

Mehr lesen:

7 Comments

  1. Und was hast Du sonst so mit Werder zu tun?

    Wo bleibt eigentlich der Shitstorm gegen Bohlen und Kahn (machen beide auch Werbung für Wiesenhof)? Wo bleibt der Shitstorm gegen Schalke (Herr Tönnies als einer der größten Fleischfabrikanten Deutschlands ist dort Chef und Gazprom fract)?

    Wo bleibt eigentlich der Shitstorm gegen den Hamburger SV (Emirates ist Sponsor, dort ist es mit der Gleichberechtigung ja auch nicht weit her)? Wo bleibt der Shitstorm gegen Bayern München (Uli Hoeness als Wurstfabrikant ist sicherlich auch nicht frei von Fehlern)?

    Wenn sich Leute an diesem Deal abarbeiten, denen der Verein Werder etwas bedeuten würde, könnte ich es verstehen. Aber jemand, dem der Verein vollkommen wumpe ist? Albern

  2. Ich habe rein gar nichts mit Werder zu tun, außer, dass ich Bremerin bin.

    Mir geht es darum, dass hier ein Unternehmen (und nichts anderes ist Werder Bremen) erst eine eigene Marke ins Leben ruft, die seine soziale und ökologische Verantwortung verkörpern soll, und dann ein dermaßen unglückliches Händchen bei der Wahl seines Hauptsponsors hat. Da ist es einfach mit der Glaubwürdigkeit der Verantwortungsübernahme nicht mehr weit her. Ich denke, Werder hat damit weder sich noch Bremen einen Gefallen getan.

    Zudem halte ich wenig von dem Argument, dass man sich nicht an etwas stören dürfe, weil Andere sich auch falsch verhalten.

    Der Shitstorm interessiert mich vom Inhaltlichen abgesehen zudem als Dynamik des sozialen Netzes. Wie Du sehen kannst, habe ich mich bereits mehrfach mit solchen Ereignisse beschäftigt. Da ich grundlegend wiedergegeben und Stimmungen zusammengefasst habe, was sich diesbezüglich im Netz tut, werde ich mir bestimmt nicht auferlegen, mich nur mit Fällen beschäftigen zu dürfen, mit denen ich bereits auf irgendeine Art und Weise zu tun habe.

  3. Wiesenhof ist recht regelmäßig mit negativen Schlagzeilen in der Presse zu finden. Dazu kommt allgemein die Diskussion um den Antibiotika-Einsatz in der Geflügelzucht. Und ggf. sind Werder-Fans empfänglicher für Schlammschlachten oder verbinden mit ihrem Verein ein nachhaltigeres Image.

    Das Wiesenhof ein massives Imageproblem hat, zeigt schon die Ankündigung: “Ab 1. September 2012 ändert Wiesenhof den Namen und heißt dann Oldenburger Geflügelspezialitäten.” Quelle: http://www.radiobremen.de/sport/fussball/werdertrikotsponsor100.html

    Das wir vielfach vermutlich trotzdem Wiesenhof-Geflügel konsumieren, liegt am gigantischen Privat-Label-Markt der Discounter und großen Supermarkt-Ketten.

    Da ist ein Markenwechsel nicht so schlecht, wenn man den neuen Namen gleich positiver in den Medien platziert. Aufgrund dessen, dass sich viele Menschen leider keine Gedanken über die Herkunft ihres Fleisches machen, wird nach einer gewissen Etablierungszeit, der Name Wiesenhof mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Und wenn sie es diesmal besser machen, der neue Name, Qualität und Preis von “Oldenburger Geflügelspezialitäten” den gleichen Status wie Wiesenhof in früheren Zeiten erreichen.

    Da die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit bei Wiesenhof/Oldenburger Geflügelspezialitäten mir aber nicht so kompentent erscheint, wird das vermutlich nichts werden. Aktuell versuchen sie die Kampagne ja um Regionalität und Nachhaltigkeit aufzubauen und das passt einfach hinten und vorne noch nicht.

    Zurück aber zum Shitstorm – leidende Tiere lösen in den meisten Fällen ein höheres Engagement bei Deutschen aus, als Menschenrechtsverletzungen in weit entfernten Wüstenstaaten oder in den eisigen Weiten des russischen Reiches. Und die Wurst, eines der deutschen liebsten Lebensmittel, wird, wenn da keine Bilder von erwähnten leidenden Tieren auftauchen, auch niemanden hinter dem Sofa hervor locken.

    Warum werden angebliche Tierquäler-Bilder so häufig bei facebook geklickt (und sind dann regelmäßig mit Viren, geklauten Likes oder sonstigem Schrott verseucht) und geteilt? Weil das ein emotionales Engagement verursacht. Kleine Kinder lösen das z.B. auch aus.

    Das ist der sehr wahrscheinliche Grund, warum Werder einen Shitstorm erlebt und warum andere, erwähnte Sponsoren und Vereine, von diesem erspart bleiben. Vermutlich wird, sobald die Emirate anfangen mit deutschen Panzern knuddelige Welpen zu überfahren, der dritte Weltkrieg ausbrechen…

    Menschen ticken so simpel.

  4. Moin!
    Das war natürlich ein PR-Super-Gau. Ich kann nur hoffe, dass das negative Image nicht zu sehr auf Werder überschwappt.
    Bin gespannt auf Deine weiteren Ausführungen!

  5. Hallo Nicolas,

    vielen Dank für Deinen Kommentar; freut mich, dass Du meine Seite gefunden hast!

    Ich denke, die wirkliche Imageentwicklung wird vermutlich die Zeit zeigen, aber eine kluge Entscheidung zur Förderung der Glaubwürdigkeit war diese Wahl wirklich nicht.

    Zu den weiteren Ausführungen komme ich hoffentlich in der kommenden Woche.

    Viele Grüße & ein schönes Wochenende,

    Stefanie

  6. Hi ihr lieben, also mein Partner und ich sind seit längerem Werder-Fans, aber nun eher gebrochen in unserer Meinung. Ich finde jegliches Leid, ob an Tier oder Mensch sollte jedem interessieren und ich finde auch schade, dass Werder seine Fans nicht ernst nimmt. Denn die Fans sind die, die den Verein nicht nur finanziell unterstützen. Ich finde es wichtig, dass man sich gegen jegliche Art von Misshandlungen einsetzt, Tiere können sich nicht wehren (ich bin seit längerem aus diesem Grund veganer, ist auch gesünder ;)), aber ich setze mich auch für Hilfe an Menschen ein. Also mir ist keine Seele egal 😉 lg

  7. Hallo Susann,

    vielen Dank für Deinen Kommentar; finde ich gut, dass sich auch gerade Werder-Fans konstruktiv zu diesem Thema äußern!

    Viele Grüße, Stefanie

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