Der 17. März, Gedenktag für den im 5. Jahrhundert gestorbenen irischen Nationalheiligen Patrick, wird nicht nur in Irland, sondern auch von den Nachkommen irischer Auswanderer in zahlreichen Ecken der Welt begangen. Wie so häufig zeigen sich hier vor allem die US-Amerikaner phantasievoll und treiben es jedes Jahr besonders “bunt”.

 

Wie ich bereits hier erwähnte, als im vergangenen Jahr die Weser grün gefärbt werden sollte (über den Erfolg dieser Aktion mag sich jeder ein eigenes Bild machen), färbt die irische Gemeinde in Chicago jährlich den Chicago River in ein wirklich kräftiges irisches Smaragdgrün ein. Eine Tradition, die bereits seit über 40 Jahren existiert und scheinbar kaum für etwas anderes als einen Gag gehalten wurde.

 

Im Jahr 1962 wurde der Fluss zum ersten Mal eingefärbt, und eine Farbmenge von 100 Pfund ließ das Grün für eine ganze Woche halten. Der Farbstoff wurde damals hauptsächlich von Klempnern verwendet, um undichte Leitungen aufspüren zu können. Der Gedanke, den Fluss damit zur Feier des St. Patrick einzufärben, war ein reines “Warum eigentlich nicht?”

Nun findet diese Tradition also mit schöner Regelmäßigkeit statt, und neben dem Fluss werden für die ebenfalls stattfindende St. Patrick’s Day Parade sogar die Hunde grün eingefärbt. Bei soviel Grün stelle ich mir, wie auch im Fall der Weser, die Frage: muss das sein?

 

Für diese Aktion wird ein Farbstoff verwendet, dessen Formel streng geheim ist und laut unabhängiger wissenschaftlicher Untersuchungen wahrscheinlich komplett ungiftig ist. Es soll ein Stoff auf rein pflanzlicher Basis sein, doch die genaue Zusammensetzung wird ähnlich dem Rezept für Coca-Cola streng geheim gehalten.

 

Punkt 1: “Wahrscheinlich” ist die Farbe nicht schädlich? Sollte ein solch unwichtiger Anlass wirklich ein solches Risiko wert sein? Vor 2003 wurde ein anderer Farbstoff verwendet, der wegen Umweltschäden eingestellt wurde. Sollten sich bestimmte Lebewesen im Chicago River ansiedeln, müsste man eine andere Art finden, den St. Patrick’s Day zu feiern, so die Aussage des Vereins der Freunde des Chicago River, da ansonsten eben doch ein Schäden an der Tierwelt entstünde.

 

Punkt 2: Warum eine streng geheime Formel? Wenn alles unschädlich ist, warum dann den Eindruck erwecken, man hätte etwas zu verbergen? Ist das Risiko, andere Städte würden mit einem ähnlichen Event aufwarten, nicht weniger schlimm als der Verdacht der Vertuschung? Doch scheinbar scheint diese Taktik zumindest in den USA bislang aufzugehen.

 

Punkt 3: Rein pflanzliche Basis allein ist nicht wirklich ein Argument für Unschädlichkeit. Zitronensaft ist auch rein pflanzlich, aber sollte man davon mehrere Dutzend Liter in ein Gewässer kippen?

 

Punkt 4: ich will weder der Stadt Chicago noch der irischen Gemeinde etwas unterstellen, aber in den USA kann man sich auch “unabhängig wissenschaftlich” bestätigen lassen, dass der Klimawandel nicht menschgemacht ist.

 

 

Es geht nicht darum, ob die Farbe nun wirklich schädlich ist. Auch nicht darum, ob an anderer Stelle wesentlich schlimmere Sachen in den Fluss gekippt werden. Es geht um die Botschaft: wenn der Anlass nur stimmt, ist es deswegen in Ordnung, ein Gewässer einzufärben? Ich kann nicht umhin, diese Idee ausnehmend grotesk zu finden.

 

 

Sind grüne Flaggen oder ähnliche komplett abnehmbare Deko nicht mehr aufsehenserregend genug für den abgestumpften Menschen des 21. Jahrhundert?

Sollte man sich nicht eingehender Gedanken darüber machen, wie man seine Umwelt und deren Unterwerfung unter eigene Bedürfnisse, auch eigentlich unwichtige, betrachtet?

Quellen:

http://chicago.about.com/od/neighborhoodshistory/p/DyeRiverGreen.htm

http://www.greenchicagoriver.com/index.html

http://de.wikipedia.org/wiki/St._Patrick%E2%80%99s_Day

http://chicago-blogger.com/index.php?/archives/314-Chicagos-Green-River.html

http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,541014,00.html

http://www.theatlantic.com/national/archive/2010/03/greening-a-river-and-the-white-house-for-st-patricks-day/37602/

Mehr lesen: