Soziale Netzwerke sind längst ein Bestandteil unseres Lebens geworden. Das Fernsehen tastet sich an das Feld Social Media heran, 2012 wird von einigen als das Jahr 1 des Social TV in Deutschland bezeichnet. Nicht nur die privaten, sondern auch die öffentlich-rechtlichen Sender bemühen sich, die sozialen Netzwerke in ihr Programm einzubinden: viele Fernsehformate, darunter die Tagesschau, haben eine Facebookseite. Sendungen werden parallel zur Ausstrahlung auf Twitter und Facebook von den Zuschauern diskutiert, darunter auch Klassiker wie der Tatort.

Aber auch, wer die sozialen Netzwerke bisher nicht nutzt, begegnet ihnen immer häufiger, z.B. in Liveberichterstattungen großer Events. Vorreiter der öffentlich rechtlichen Sender beim Einsatz von Social Media ist hier das ZDF, das während der EM 2012, der Präsidentschaftswahl der USA und der Landtagswahl in Niedersachsen die sozialen Netzwerke aktiv in die Sendungen einband.

Social TV

Als Social TV und Social Radio wird die Kombination der sozialen Netzwerke mit dem Fernsehen bzw. dem Radio bezeichnet. Es geht dabei um den Austausch der Zuschauer während einer Sendung, sowohl untereinander als auch mit Reportern, Moderatoren und der Redaktion. Möchte man hier die Angebote der ARD nutzen, kann man sich über einen vorhanden Facebook, Twitter oder Google+ Kanal auf der Seite der ARD einloggen sofort am Austausch teilnehmen.
Radiosender mögen es ein wenig leichter haben, Social Media einzubinden, da das Radio schon immer einer größeren Fokus auf den Austausch mit den Hörern hatte. Aber auch die Fernsehsender sind bemüht sich auf die zunehmende Nutzung der sozialen Netzwerke einzustellen.
Einige Versuche, soziale Netzwerke aktiv in Livesendungen einzubauen, waren eher holprig, was z.B. die Kritik an der Berichterstattung der EM 2012 zeigt. Die Wahlnacht der US-Präsidentschaftswahl im vergangenen November und zur Landtagswahl in Niedersachsen vor wenigen Tagen zeigen in meinen Augen aber, dass gerade Vorreiter ZDF Erfahrungen sammelt und sich verbessert. Auch das ARD möchte das Feedback zum „Tatort+“ Experiment auswerten und aus der gesammelten Erfahrung lernen. Der Ansturm auf das Experiment war so groß, dass teilweise die Server ausfielen.

Deutschland hinkt hinterher

Aus den USA kennen wir es schon länger, dass sozialen Netzwerken eine sehr große Bedeutung zukommt. Nicht nur vor der Wahl des US-Präsidenten wurde regelmäßig betrachtet, welcher der beiden Kandidaten mehr Follower und Fans hat und welchen Schichten und Gruppen diese angehören. Große Sportveranstaltungen finden längst auch (mit festen, ins Fernsehprogramm eingeblendeten Hashtags) auf Twitter statt, wo Fans sich in Echtzeit austauschen.
In Deutschland sind zwar viele Politiker in den sozialen Netzwerken vertreten, die Berichterstattung von Großevents geschieht inzwischen vereinzelt bereits mit Einbindung sozialer Netzwerke, und viele Fernsehformate werden aktiv in Echtzeit auf Facebook und Twitter diskutiert. Dennoch zeigt die Erhebung Snapshot from the Chiefs of Marketing, dass deutsche Medien in Sachen Social Media noch immer hinterherhinken.
Der Trend zum “second screen” oder “zweiten Bildschirm”, also der Nutzung des Smartphons oder Notebooks während des Fernsehabends, ist defintiv vorhanden. Ein Problem für die öffentlich rechtlichen Sender könnte auftreten, wenn bei Facebook die Entscheidung fällt, auf den Fanseiten der Rundfunkanstalten Werbung zu schalten, was dem Rundfunkstaatsvertrags zuwider läuft. Die kostenpflichtige Werbefreiheit würde alleine das ZDF etwa 760.000€ pro Jahr kosten. Es wird sich zeigen, ob die Sender auf andere Netzwerke ausweichen oder zukünftig mehr in Social Media investieren.

 

Bedeutung für Unternehmen

Auch, wenn in Deutschland noch Aufholbedarf besteht, bedeutet die Einbindung von Social Media in das Fernsehprogramm für Unternehmen insbesondere, dass die sozialen Netzwerke so immer wieder auch den Zuschauern in Bewusstsein gerufen werden, die sich bisher kaum oder gar nicht mit diesem Thema auseinander gesetzt haben. Social Media begegnet damit nicht mehr nur den Menschen, die sich eh viel im Internet aufhalten und von sich aus damit beschäftigen, sondern durch das Fernsehen jedem Zuschauer.
Die offene Einbindung von Social Media deutet den Zuschauern an, dass innerhalb der Netzwerke der Austausch auch mit den Sendern besteht, weitere Informationen zu den Sendungen vorliegen oder die eigene Frage an den Sender mit etwas Glück live in der Sendung verlesen und beantwortet wird. All dies bietet einen Anreiz, sich weiter mit sozialen Netzwerken zu beschäftigen. Dies stößt vereinzelt auf Kritik gerade von Zuschauern, die das Internet kaum oder gar nicht nutzen, wird aber größtenteils gerne angenommen.

Fazit

Um Social Media kommt heutzutage kaum noch jemand herum. Die sozialen Netzwerke sind allgegenwärtig und gewinnen auch dahingehend an Bedeutung, dass sie zunehmend als selbstverständlich angesehen werden. Das Bedürfnis, sich anderen mitzuteilen, sich auszutauschen und gezielt nach Informationen zu suchen, ist vorhanden und wird über den Gebrauch von Social Media in Verbindung mit Fernsehen erlebt.

Ist Social TV vorübergehend? Unwahrscheinlich.

 

Links

www.goldmedia.com: Social TV-Jahrescharts 2012

www.lto.de: Öffentlich-rechtliche Sendepause bei Facebook

www.blog.lilu24.de: SWR Tatort Online Spiel: Tatort+ über Twitter und Facebook

www.daserste.de: Schade, Tatort+ ist zu Ende!

www.stern.de: “Tatort”-Fans legen Server lahm

www.welt.de: Wenn der Tatort live bei Twitter kommentiert wird (Artikel über Social TV)

we.makesocialtv.de: Social TV und Social Radio: Die ARD lädt zum digitalen Lagerfeuer

www.ard.de: Zusammen schaut man weniger allein (Artikel mit Videobeitrag zu Social TV)

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